Emmaus: Die biblische Geschichte und ihre Bedeutung

Emmaus steht für die Begegnung zweier Jünger mit dem auferstandenen Jesus auf dem Weg von Jerusalem in ein Dorf. Die Geschichte findet sich in Lukas 24,13–35 und gehört zu den bekanntesten Erzählungen der Osterzeit.
Die beiden Männer sind enttäuscht und verunsichert. Sie haben gehofft, dass Jesus Israel erlösen werde, mussten aber miterleben, wie er gekreuzigt wurde. Obwohl sie bereits von einem leeren Grab gehört haben, rechnen sie offenbar noch nicht damit, dass Jesus selbst mit ihnen geht.
Was in der Emmausgeschichte geschieht
Nach dem Bericht des Lukasevangeliums verlassen zwei Jünger am Tag der Auferstehung Jerusalem. Ihr Ziel ist ein Ort namens Emmaus, der von Jerusalem aus eine Wegstrecke entfernt liegt. Einer der beiden wird Kleopas genannt; der Name des anderen bleibt offen.
Unterwegs sprechen sie über die Ereignisse der vergangenen Tage. Jesus kommt hinzu und geht mit ihnen, doch sie erkennen ihn nicht. Er fragt, worüber sie reden. Für die Jünger ist diese Frage überraschend, weil die Vorgänge in Jerusalem aus ihrer Sicht jedem bekannt sein müssten.
Sie erzählen von Jesus aus Nazareth, den sie als einen mächtigen Propheten in Wort und Tat erlebt haben. Zugleich berichten sie von seiner Verurteilung und Kreuzigung. Ihre Hoffnung, dass er Israel erlösen werde, scheint für sie mit seinem Tod zerbrochen zu sein.
Die Jünger erwähnen außerdem den Bericht einiger Frauen aus ihrer Gruppe. Diese seien am Morgen am Grab gewesen und hätten den Leichnam nicht gefunden. Von Engeln sei die Nachricht gekommen, Jesus lebe. Andere Jünger hätten das Grab ebenfalls leer vorgefunden, Jesus selbst aber nicht gesehen.
Jesus deutet ihnen daraufhin die Schriften Israels. Nach Lukas geht es darum, dass der Messias leiden und danach in seine Herrlichkeit eingehen musste. Der Text nennt dabei nicht einzelne wörtliche Bibelstellen, sondern beschreibt eine umfassende Auslegung von Mose und den Propheten.
Der zentrale Wendepunkt: Die Jünger erkennen Jesus nicht zuerst durch ein äußeres Zeichen, sondern beginnen durch seine Schriftauslegung zu verstehen, wie Kreuz und Auferstehung zusammengehören.
Als sie Emmaus erreichen, tut Jesus so, als wolle er weitergehen. Die Jünger bitten ihn jedoch, bei ihnen zu bleiben, weil es bereits Abend wird. Beim gemeinsamen Mahl nimmt Jesus das Brot, spricht den Lobpreis, bricht es und gibt es ihnen. In diesem Augenblick werden ihre Augen geöffnet und sie erkennen ihn.
Unmittelbar danach entzieht sich Jesus ihrem Blick. Die Jünger sprechen rückblickend darüber, wie ihr Herz auf dem Weg brannte, als Jesus ihnen die Schriften erschloss. Trotz der späten Stunde kehren sie nach Jerusalem zurück. Dort finden sie die versammelten Jünger und berichten, was sie erlebt haben.
Warum die Jünger Jesus auf dem Weg nicht erkennen
Die fehlende Erkenntnis ist ein bewusstes Element der Erzählung. Lukas beschreibt nicht einfach ein zufälliges Übersehen, sondern eine verzögerte Wahrnehmung. Die Jünger sehen Jesus, können seine Identität aber zunächst nicht erfassen.
Eine mögliche Bedeutung liegt in ihrer inneren Situation. Sie sind von Trauer, Enttäuschung und Angst bestimmt. Jesus passt in diesem Moment nicht in ihre Vorstellung von einem Messias, weil sie seinen Tod als Ende ihrer Hoffnung deuten. Ihre Erwartungen erschweren ihnen, das Geschehen neu zu verstehen.
Die Geschichte verbindet körperliches Sehen und geistliches Erkennen. Die Jünger haben Jesus vor sich, aber die Bedeutung seiner Gegenwart erschließt sich ihnen erst später. Erst die Auslegung der Schriften und das Brotbrechen führen zu einem vollständigen Verständnis.
Das bedeutet nicht, dass der Text jede Begegnung mit dem Auferstandenen als rein symbolisch darstellt. Die Emmausgeschichte erzählt von einer wirklichen Begegnung innerhalb des Glaubenszeugnisses der ersten christlichen Gemeinden. Zugleich macht sie deutlich, dass Erkennen Zeit, Deutung und Gemeinschaft brauchen kann.
Welche Bedeutung der Weg von Jerusalem nach Emmaus hat
Der Weg ist in der Geschichte mehr als eine geografische Verbindung. Die Jünger gehen von Jerusalem weg, dem Ort der Kreuzigung und der ersten Osterbotschaft. Ihre Bewegung kann als Ausdruck ihrer Enttäuschung und Rückkehr in den Alltag verstanden werden.
Während des Gesprächs verändert sich ihre Perspektive. Jesus nimmt ihre Fragen und Irritationen ernst, führt sie aber über die unmittelbare Enttäuschung hinaus. Der Weg wird zu einem Raum, in dem sie ihre Erfahrung aussprechen und neu ordnen können.
Am Ende gehen die Jünger den Weg in umgekehrter Richtung zurück. Sie kehren nach Jerusalem zurück, obwohl es dunkel geworden ist und der Weg vermutlich beschwerlich ist. Ihre neue Einsicht bleibt nicht privat. Sie führt sie in die Gemeinschaft der anderen Jünger und in das gemeinsame Zeugnis.
In der christlichen Auslegung steht Emmaus deshalb häufig für einen Übergang: von Resignation zu Hoffnung, von isolierter Trauer zu Gemeinschaft und von einer scheinbar gescheiterten Geschichte zu einem neuen Verständnis des Glaubens.
Was das Brotbrechen in Emmaus bedeutet
Das Brotbrechen bildet den Höhepunkt der Erzählung. Jesus handelt beim Mahl in einer Weise, die an die Speisungsgeschichten und an das letzte Mahl mit seinen Jüngern erinnert. Er nimmt das Brot, segnet beziehungsweise dankt, bricht es und gibt es weiter.
Für die Leser des Lukasevangeliums kann diese Handlung an die christliche Mahlgemeinschaft erinnern. Ob die Szene ausdrücklich eine vollständige Eucharistiefeier schildern will, wird in der Auslegung unterschiedlich bewertet. Sicher ist, dass das Brotbrechen als Zeichen der Gemeinschaft und der Wiedererkennung gestaltet ist.
Die Jünger erkennen Jesus nicht während einer langen Erklärung, sondern in einer vertrauten Handlung des Teilens. Das Mahl verbindet Wort und Handlung: Zuerst werden die Schriften ausgelegt, anschließend wird Brot gemeinsam empfangen. Beides gehört in der Erzählung zusammen.
Das Brotbrechen ist dabei kein magischer Moment, der unabhängig von allem Vorherigen funktioniert. Die Jünger haben Jesus bereits zugehört, ihn zum Bleiben eingeladen und mit ihm den Tisch geteilt. Die Erkenntnis entsteht innerhalb einer Beziehung, die sich Schritt für Schritt entwickelt.
Welche Rolle die Heilige Schrift in Emmaus spielt
Jesus erklärt den Jüngern, wie die Schriften auf den Weg des Messias hinweisen. Damit wird die Auferstehung nicht als isoliertes Ereignis dargestellt. Sie steht im Zusammenhang mit der Geschichte Israels, seinen Verheißungen, seinen Hoffnungen und den Erfahrungen von Leiden und Rettung.
Die Erzählung korrigiert dabei eine zu einfache Erwartung. Die Jünger hatten offenbar mit einer Erlösung gerechnet, die unmittelbar sichtbar und politisch eindeutig sein würde. Jesus hilft ihnen, den Messias nicht nur als triumphierende Gestalt, sondern auch als den zu verstehen, der durch Leiden und Hingabe hindurch zur Herrlichkeit gelangt.
Der Text nennt keine einzelne Stelle, die als alleinige Vorhersage der Passion gelten soll. Stattdessen spricht Lukas von einem umfassenden Zusammenhang der Schriften. Für die christliche Bibelauslegung bedeutet das: Einzelne Texte werden nicht losgelöst betrachtet, sondern im Zusammenhang der gesamten Heilsgeschichte gelesen.
Wer die Emmausgeschichte heute liest, sollte deshalb nicht vorschnell jede alte Bibelstelle als eindeutige Prophezeiung behandeln. Sinnvoller ist es, nach den großen Linien zu fragen: Wie werden Leid, Hoffnung, Gottes Treue und die Erwartung des Messias in den Schriften entfaltet?
Wo Emmaus gelegen haben könnte
Der genaue Ort des biblischen Emmaus ist nicht mit letzter Sicherheit bekannt. Das Lukasevangelium nennt eine Wegstrecke von Jerusalem, doch die handschriftliche Überlieferung weist bei der Entfernungsangabe Unterschiede auf. Deshalb lässt sich aus dem Text allein kein zweifelsfreier moderner Standort bestimmen.
Mehrere Orte wurden im Lauf der Geschichte mit Emmaus verbunden. Dazu gehören Emmaus-Nikopolis westlich von Jerusalem, das heutige Abu Ghosh sowie el-Qubeibeh nordwestlich von Jerusalem. Auch Khirbet Qana in Galiläa wurde vorgeschlagen, obwohl die Entfernung zu Jerusalem die Deutung erschwert.
Emmaus-Nikopolis war in der Antike ein bedeutender Ort und wurde von christlichen Pilgern früh mit der biblischen Erzählung verbunden. Dort erinnern archäologische Reste und kirchliche Traditionen an die Verehrung des Emmausgeschehens. Die Entfernung passt allerdings nicht ohne Weiteres zu allen überlieferten Textvarianten.
El-Qubeibeh wurde besonders in der westlichen christlichen Pilgertradition als Emmaus identifiziert. Dort befindet sich eine Kirche, die an die Begegnung der Jünger erinnert. Auch diese Zuordnung beruht auf Tradition und geographischen Erwägungen, nicht auf einem allgemein anerkannten archäologischen Beweis.
Abu Ghosh liegt näher an Jerusalem und ist mit einer alten Emmaustradition verbunden. Die dortige Kirche aus der Kreuzfahrerzeit steht in einem Gebiet, das bereits in der Antike besiedelt war. Dennoch bleibt auch diese Lokalisierung eine begründete Möglichkeit und keine gesicherte Tatsache.
Für die Bedeutung der Geschichte ist die exakte Ortsbestimmung nicht entscheidend. Der Name Emmaus bezeichnet im Evangelium zunächst den Ort einer Begegnung, an dem enttäuschte Menschen neue Hoffnung gewinnen und in die Gemeinschaft zurückkehren.
Was der Name Emmaus bedeuten könnte
Die Herkunft des Namens Emmaus ist nicht vollständig geklärt. Häufig wird er mit einem hebräischen oder aramäischen Begriff verbunden, der auf warme Quellen oder Wärme hinweisen kann. Diese Erklärung passt zu Orten, die wegen ihrer Quellen bekannt waren.
Andere sprachgeschichtliche Deutungen bleiben möglich, weil Ortsnamen im Lauf der Zeit verändert, übertragen und in verschiedenen Sprachen unterschiedlich geschrieben wurden. Die Schreibweisen Emmaus, Emmaous und ähnliche Formen spiegeln diese Entwicklung wider.
Eine symbolische Auslegung des Namens sollte von den gesicherten Angaben des Evangeliums unterschieden werden. Die zentrale Aussage der Geschichte hängt nicht davon ab, ob Emmaus wörtlich mit Wärme, Quelle oder einem anderen Ortsmerkmal übersetzt wird.

Wie Emmaus in der christlichen Tradition verstanden wird
Die Emmauserzählung prägt besonders die Osterverkündigung. Sie zeigt Auferstehung nicht nur als Botschaft über ein leeres Grab, sondern als Weg, auf dem Menschen eine neue Sicht auf Jesus und ihre eigene Situation gewinnen.
In der katholischen, orthodoxen und evangelischen Tradition wird die Geschichte unterschiedlich akzentuiert. Manche Auslegungen betonen die Eucharistie und das Brotbrechen, andere die Schriftauslegung, die Gastfreundschaft oder die Rückkehr in die Gemeinde. Diese Schwerpunkte schließen einander nicht aus.
Die Erzählung spricht auch Menschen an, die mit Zweifel und Enttäuschung leben. Die Jünger besitzen bereits Informationen über das leere Grab, aber die Nachricht allein führt noch nicht zu einem tragfähigen Verständnis. Sie brauchen Begleitung, Deutung und eine Erfahrung gemeinsamer Nähe.
Emmaus wird deshalb oft als Bild für geistliche Begleitung verwendet. Ein Mensch muss nicht sofort eine fertige Antwort haben. Zuhören, Fragen, gemeinsames Nachdenken und die vorsichtige Suche nach Sinn können ein Teil des Glaubensweges sein.
Was Emmaus mit Gastfreundschaft zu tun hat
Die Jünger laden den unbekannten Weggefährten ein, bei ihnen zu bleiben. Sie tun dies, weil der Tag sich neigt und Jesus weitergehen will. Ihre Gastfreundschaft wird zum Rahmen für das entscheidende Mahl.
Die Szene zeigt Gastfreundschaft nicht als große öffentliche Leistung. Es geht um eine konkrete Einladung an einen Menschen, der den Weg mit ihnen geteilt hat. Die Jünger schaffen Raum für Gespräch, Ruhe und gemeinsames Essen.
In der christlichen Ethik wurde dieser Zug der Erzählung häufig auf den Umgang mit Fremden, Trauernden und Suchenden bezogen. Wer einem anderen Menschen Zeit gibt, kann ihm nicht automatisch den Glauben oder die Hoffnung zurückgeben. Er kann aber Bedingungen schaffen, unter denen Begegnung und neue Orientierung möglich werden.
Die Einladung zum Bleiben gehört auch erzählerisch zu den Wendepunkten. Ohne sie hätten die Jünger Jesus nicht beim Mahl erkannt. Emmaus verbindet daher aufmerksames Zuhören mit der Bereitschaft, einen Weggefährten nicht einfach weiterziehen zu lassen.
Welche praktischen Fragen beim Lesen helfen
Die Geschichte lässt sich persönlich, liturgisch oder wissenschaftlich lesen. Je nach Ziel stehen andere Fragen im Vordergrund. Eine sorgfältige Lektüre trennt dabei den biblischen Text, spätere Traditionen und eigene Deutungen.
- Zur Handlung: Was wissen die Jünger zu Beginn, und was verstehen sie erst am Ende?
- Zur Sprache: Welche Fragen stellt Jesus, und wie beschreiben die Jünger ihre Hoffnung?
- Zur Bewegung: Warum gehen die Jünger zunächst von Jerusalem weg und später wieder dorthin zurück?
- Zum Mahl: Welche Bedeutung hat das Brotbrechen innerhalb der Erzählung?
- Zur Gemeinschaft: Wem erzählen die Jünger von ihrer Erfahrung, nachdem sie Jerusalem erreicht haben?
- Zur eigenen Situation: Wo erleben Sie gerade Enttäuschung, offene Fragen oder einen neuen Blick auf ein bekanntes Ereignis?
Für eine Bibelgruppe kann es hilfreich sein, Lukas 24,13–35 zunächst vollständig und ohne Kommentar zu lesen. Danach können die Beteiligten markieren, wann sich die Stimmung der Jünger verändert und welche Aussagen Jesu diese Veränderung vorbereiten.
Wer die Geschichte im Gottesdienst oder in einer Andacht verwendet, sollte ausreichend Zeit für Stille lassen. Die Wirkung liegt nicht nur in der Erklärung, sondern auch in den Fragen, die der Text offenlässt: Warum erkennen die Jünger Jesus so spät? Was genau lässt ihr Herz brennen? Wie verändert das gemeinsame Mahl ihre Wahrnehmung?
Welche häufigen Missverständnisse über Emmaus vermieden werden sollten
Rund um Emmaus haben sich einige verkürzte Darstellungen verbreitet. Sie lassen sich vermeiden, wenn der Text genau gelesen und zwischen sicherer Aussage und späterer Tradition unterschieden wird.
- Emmaus ist nicht eindeutig lokalisiert: Mehrere Orte beanspruchen die Verbindung zur biblischen Geschichte. Keine Zuordnung ist allgemein endgültig bewiesen.
- Nur Kleopas wird namentlich genannt: Der Name des zweiten Jüngers steht nicht im Lukasevangelium. Spätere Traditionen nennen gelegentlich weitere Personen, doch diese Angaben stammen nicht aus dem eigentlichen Text.
- Die Jünger erkennen Jesus nicht sofort: Die Verzögerung ist ein wichtiger Bestandteil der Erzählung und sollte nicht als nebensächliches Detail behandelt werden.
- Emmaus ist mehr als ein Synonym für die Auferstehung: Zur Geschichte gehören auch Trauer, Schriftauslegung, Gastfreundschaft, Brotbrechen und die Rückkehr zur Gemeinschaft.
- Der Text liefert keine vollständige geografische Wegbeschreibung: Die Entfernungsangabe und die überlieferten Ortsnamen erlauben keine absolut sichere Rekonstruktion.
- Das Brotbrechen sollte nicht isoliert gelesen werden: Es steht am Ende eines Weges, der durch Gespräch, Auslegung und Einladung vorbereitet wurde.
Lesetipp: Trennen Sie beim Nachdenken über Emmaus drei Ebenen: Was Lukas erzählt, was die kirchliche Tradition daraus entwickelt hat und welche persönliche Bedeutung Sie selbst darin entdecken.
Wie Emmaus in Kunst und Musik dargestellt wird
Die Begegnung von Emmaus wurde in zahlreichen Gemälden, Skulpturen, Fresken und musikalischen Werken dargestellt. Künstler konzentrieren sich häufig auf einen von drei Momenten: den Weg, das Mahl oder die Rückkehr nach Jerusalem.
Darstellungen des Weges zeigen Jesus oft als unbekannten Begleiter zwischen den beiden Jüngern. Dabei wird die Spannung sichtbar: Der Betrachter weiß, wer Jesus ist, während die Figuren ihn noch nicht erkennen. Diese Bildidee macht die Differenz zwischen äußerem Sehen und innerem Verstehen anschaulich.
Das Mahl in Emmaus bietet Künstlern die Möglichkeit, den Augenblick der Erkenntnis festzuhalten. Bewegungen, Gesten und die Anordnung am Tisch können den Überraschungsmoment ausdrücken. Besonders häufig wird das Brotbrechen als Mittelpunkt der Szene dargestellt.
In der Musik wird Emmaus meist mit Motiven wie Weg, Abend, Zweifel, brennendem Herzen und Rückkehr verbunden. Die künstlerische Verarbeitung ist jedoch keine zusätzliche historische Quelle über den Ort. Sie zeigt vor allem, wie verschiedene Zeiten die geistliche Dynamik der Geschichte verstanden haben.
Warum Emmaus am Ostermontag eine besondere Rolle spielt
Im deutschen Sprachraum wird der Ostermontag häufig mit den Emmausjüngern verbunden. Das hängt mit der liturgischen Leseordnung und mit der Tradition von Emmausgängen zusammen. Gemeinden gehen dabei gemeinsam ein Stück Weg, hören die biblische Geschichte und feiern anschließend einen Gottesdienst oder ein Mahl.
Ein Emmausgang muss keine historische Nachahmung des ursprünglichen Weges sein. Sein Sinn liegt vielmehr darin, die Elemente der Erzählung aufzunehmen: gemeinsam unterwegs sein, über Hoffnung und Zweifel sprechen, eine biblische Lesung hören und Gemeinschaft erfahren.
Solche Bräuche können besonders dann hilfreich sein, wenn sie nicht zu einer bloßen Wanderung ohne Bezug zum Text werden. Ein kurzer Impuls, eine Lesung aus Lukas 24 und ein bewusst gestalteter Abschluss geben dem Weg eine klare geistliche Orientierung.
Auch außerhalb des Osterfestes kann Emmaus als Leitbild dienen. Trauergruppen, Pilgerwege, Gesprächskreise und seelsorgliche Angebote greifen die Geschichte auf, wenn Menschen zwischen Verlust und neuer Hoffnung stehen.
Wie Sie die Emmausgeschichte heute lesen können
Die Erzählung beginnt nicht mit einem schnellen Sieg, sondern mit zwei Menschen, die ihre Hoffnung verloren haben. Sie dürfen ihre Enttäuschung aussprechen, ohne dass Jesus sie dafür beschämt. Erst danach werden ihre Vorstellungen erweitert und in einen größeren Zusammenhang gestellt.
Für die persönliche Lektüre kann es hilfreich sein, die eigene Erfahrung nicht sofort mit einer fertigen religiösen Erklärung zu überdecken. Fragen nach Verlust, unerfüllten Erwartungen und schwer verständlichen Ereignissen gehören auch zur Geschichte der Jünger.
Gleichzeitig bleibt Emmaus nicht bei der Trauer stehen. Die Jünger entdecken rückblickend, dass sie auf dem Weg bereits berührt und angesprochen wurden. Ihre Erkenntnis kommt nicht als abstrakte Theorie, sondern in einer Beziehung, in einem Gespräch und an einem gemeinsam gedeckten Tisch.
Am Ende behalten sie ihre Erfahrung nicht für sich. Sie machen sich noch in derselben Nacht auf den Weg nach Jerusalem. Darin liegt eine klare Bewegung: Hoffnung führt zur Gemeinschaft, und echte Erkenntnis wird zum Zeugnis gegenüber anderen.
Welche Bibelstellen mit Emmaus verbunden sind
Die eigentliche Emmauserzählung steht in Lukas 24,13–35. Für das Verständnis des Kapitels lohnt es sich, auch den unmittelbaren Zusammenhang zu lesen: Zuvor wird vom leeren Grab berichtet, anschließend von weiteren Erscheinungen Jesu bei den Jüngern.
Die parallelen Auferstehungsberichte in den anderen Evangelien erzählen andere Begegnungen und setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Nicht jede Einzelheit aus einer Ostererzählung sollte automatisch in die Emmausgeschichte übertragen werden. Ein genauer Vergleich zeigt, dass die Evangelisten jeweils eigene theologische Akzente setzen.
Für die Auslegung sind außerdem die Mahlgeschichten im Lukasevangelium relevant. Sie helfen zu verstehen, warum das Brotbrechen am Ende von Lukas 24 eine so starke Bedeutung erhält. Ebenso wichtig sind die Passagen, in denen Jesus mit seinen Jüngern über das Reich Gottes, den Messias und die Schriften spricht.
Wer Bibelstellen miteinander vergleicht, sollte die jeweiligen Zusammenhänge beachten. Eine einzelne Formulierung kann in einem Evangelium eine andere Funktion haben als in einem anderen. Die Emmauserzählung bleibt in ihrer besonderen Verbindung von Weg, Schrift und Mahl unverwechselbar.
Häufig gestellte Fragen
Ist Emmaus ein Ort oder eine biblische Geschichte?
Emmaus ist beides. Im Lukasevangelium bezeichnet der Name zunächst das Ziel eines Weges, den zwei Jünger nach der Kreuzigung Jesu gehen. Zugleich steht Emmaus für die gesamte Begegnung mit dem auferstandenen Jesus: das Gespräch unterwegs, die Auslegung der Schriften, das Brotbrechen und die Rückkehr nach Jerusalem. Der genaue historische Standort des Ortes ist bis heute nicht sicher bestimmt.
Wer waren die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus?
Einer der beiden Jünger wird im Lukasevangelium Kleopas genannt. Der Name des zweiten Jüngers bleibt im biblischen Text offen. Spätere Traditionen haben verschiedene Personen mit ihm identifiziert, doch diese Zuordnungen lassen sich nicht eindeutig aus Lukas 24 ableiten. Entscheidend ist in der Erzählung weniger ihre vollständige Identität als ihre Entwicklung von Enttäuschung zu neuer Hoffnung.
Warum erkannten die Jünger Jesus erst beim Brotbrechen?
Die verzögerte Erkenntnis gehört zum Aufbau der Geschichte. Die Jünger sind von Trauer und falschen Erwartungen geprägt und verstehen deshalb zunächst nicht, wer mit ihnen geht. Jesus erschließt ihnen zuerst den Zusammenhang der Schriften. Beim gemeinsamen Mahl, als er das Brot bricht und austeilt, erkennen sie ihn. Wort, Beziehung und Mahl führen gemeinsam zur Einsicht.
Was bedeutet ein Emmausgang am Ostermontag?
Ein Emmausgang nimmt die biblische Weggeschichte als geistliches Leitbild auf. Menschen gehen gemeinsam, hören die Erzählung, sprechen über Hoffnung und Zweifel und beenden den Weg häufig mit einem Gottesdienst oder einer Mahlgemeinschaft. Dabei wird nicht behauptet, den historischen Weg exakt nachzugehen. Im Mittelpunkt stehen Gemeinschaft, Erinnerung an Ostern und die Bewegung von Enttäuschung zu neuer Orientierung.











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