Samarien: Geschichte, Bibel und Bedeutung

Samarien: Geschichte, Bibel und Bedeutung

Samarien bezeichnet eine historische Landschaft im mittleren Teil des Landes Israel und zugleich die Hauptstadt des ehemaligen Nordreichs Israel. In der Bibel steht der Name außerdem für die Samariter, eine religiöse Gemeinschaft mit eigener Überlieferung und besonderer Verehrung des Berges Garizim.

Geografisch lag Samarien zwischen Galiläa im Norden und Judäa im Süden. Die Region spielte eine bedeutende Rolle in der Geschichte Israels, in den Konflikten zwischen Juden und Samaritern sowie in den Erzählungen des Neuen Testaments, etwa vom barmherzigen Samariter und von der Begegnung Jesu mit einer Samariterin.

Wo lag Samarien im antiken Israel?

Samarien lag im zentralen Bergland zwischen der Jesreel-Ebene und den Hügeln Judäas. Das Gebiet war durch fruchtbare Täler, Hänge und wichtige Verkehrswege geprägt. Reisende zwischen Galiläa und Jerusalem konnten die Region auf direktem Weg durchqueren, wählten aber je nach Zeit und Umständen auch eine Route östlich des Jordans.

Der Name Samarien kann eine größere Landschaft oder eine einzelne Stadt meinen. Die Stadt Samaria lag auf einem strategisch günstigen Hügel, ungefähr im Gebiet des heutigen Sebastia im Westjordanland. Sie darf nicht mit der modernen Stadt Nablus gleichgesetzt werden, die etwas weiter östlich im Tal zwischen dem Berg Garizim und dem Berg Ebal liegt.

Die Landschaft war nicht nur politisch, sondern auch religiös bedeutsam. In ihrer Nähe lagen Sichem, der Berg Garizim und der Berg Ebal. Diese Orte waren mit wichtigen Überlieferungen über die Erzväter, den Bund Israels und die Verehrung Gottes verbunden.

Wie lassen sich Samarien und die Samariter unterscheiden?

Für das Verständnis biblischer Texte hilft eine klare Unterscheidung zwischen Region, Stadt und Bevölkerung. Die folgenden Punkte ordnen die wichtigsten Bedeutungen ein:

  • Samarien als Landschaft: Das zentrale Bergland zwischen Galiläa und Judäa.
  • Samaria als Stadt: Die Hauptstadt des Nordreichs Israel, später unter dem Namen Sebaste bekannt.
  • Samariter als Gemeinschaft: Menschen mit einer eigenen religiösen Tradition, deren Zentrum am Berg Garizim lag.
  • Samarien in der Bibel: Ein Schauplatz politischer Konflikte, religiöser Auseinandersetzungen und wichtiger Begegnungen.
  • Samarien zur Zeit Jesu: Eine Region mit eigener Identität, die zwischen Galiläa und Judäa lag.

Die Begriffe wurden im Lauf der Geschichte nicht immer genau gleich verwendet. In biblischen Texten kann „Samarien“ das Reich, die Hauptstadt oder das Gebiet der früheren Hauptstadt bezeichnen. Bei der Lektüre ist deshalb der jeweilige Zusammenhang entscheidend.

Merksatz: Samarien ist zunächst eine Landschaft und eine Stadt; Samariter sind die Angehörigen einer eigenständigen religiösen Gemeinschaft. Die Begriffe hängen zusammen, sind aber nicht bedeutungsgleich.

Wie entstand die Stadt Samaria?

Die Stadt Samaria wurde im 9. Jahrhundert v. Chr. zum politischen Zentrum des Nordreichs Israel. Nach der biblischen Darstellung kaufte König Omri den Hügel von Schemer und errichtete dort seine neue Hauptstadt. Die Lage bot Schutz und erlaubte zugleich die Kontrolle über wichtige Wege durch das Bergland.

Die Stadt ersetzte Tirza als Sitz der Regierung. Unter Omri und seinem Sohn Ahab entwickelte sich das Nordreich zu einer regional bedeutenden Macht. Samaria war nicht nur Verwaltungssitz, sondern auch ein Ort königlicher Repräsentation, wirtschaftlicher Tätigkeit und religiöser Auseinandersetzungen.

Die Herrscher des Nordreichs standen in Konkurrenz zu Jerusalem, der Hauptstadt des Südreichs Juda. Diese politische Trennung hatte auch religiöse Folgen. Die Propheten Israels kritisierten in Samaria soziale Ungerechtigkeit, Machtmissbrauch und Formen der Verehrung, die sie als Abkehr vom Gott Israels verstanden.

Welche Rolle spielte Samarien im Nordreich Israel?

Nach der Teilung des israelitischen Königreichs wurde Samaria zur Hauptstadt des Nordreichs Israel. Dieses Reich umfasste mehrere Stämme und Gebiete nördlich von Juda. Seine Geschichte war von wechselnden Herrschern, Bündnissen, Kriegen und Konflikten mit den Nachbarstaaten geprägt.

Die Stadt lag in einem Gebiet, das landwirtschaftlich genutzt werden konnte. Hänge wurden für den Anbau von Getreide, Oliven und Wein verwendet. Die politische Bedeutung Samarias beruhte deshalb nicht allein auf seiner Befestigung, sondern auch auf den Ressourcen der umliegenden Landschaft.

Die biblischen Bücher der Könige und der Propheten schildern Samaria häufig kritisch. Diese Texte sind zugleich religiöse Deutung und historische Erinnerung. Sie beschreiben den Niedergang des Nordreichs als Folge politischer Entscheidungen, sozialer Verfehlungen und religiöser Untreue.

Besonders deutlich wird diese Perspektive bei den Propheten Amos und Hosea. Amos prangerte den Gegensatz zwischen wohlhabenden Eliten und armen Bevölkerungsschichten an. Hosea deutete die politische Unsicherheit Israels als Ausdruck einer zerbrochenen Beziehung zu Gott.

Warum fiel Samaria an die Assyrer?

Im 8. Jahrhundert v. Chr. geriet das Nordreich Israel zunehmend unter den Druck des Assyrischen Reiches. Assyrien beherrschte große Teile des Vorderen Orients und verlangte von unterworfenen Staaten Tribute. Widerstand gegen diese Abhängigkeit konnte militärische Konsequenzen haben.

Nach mehreren Konflikten begann die assyrische Belagerung Samarias. Die Stadt fiel am Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr., meist wird das Jahr 722 oder 721 v. Chr. genannt. Damit endete das Nordreich Israel als eigenständiger Staat.

Assyrische Herrscher verlagerten Teile der Bevölkerung eroberter Gebiete und siedelten Menschen aus anderen Regionen an. Solche Umsiedlungen sollten Widerstand brechen und die Verwaltung des Reiches stabilisieren. Für Samarien bedeutete diese Politik eine tiefgreifende Veränderung der Bevölkerungsstruktur.

Die biblische Darstellung verbindet den Untergang Samarias vor allem mit religiöser Untreue. Historisch betrachtet kamen jedoch mehrere Faktoren zusammen: der Druck Assyriens, die politische Lage im Vorderen Orient, militärische Niederlagen und die Abhängigkeit des Nordreichs von wechselnden Bündnissen.

Wie veränderte sich Samarien nach der assyrischen Eroberung?

Nach dem Fall der Hauptstadt blieb die Region bewohnt und wurde Teil des assyrischen Herrschaftsraums. Samarien war damit nicht plötzlich menschenleer. Die politischen Eliten verloren jedoch ihre Selbstständigkeit, und die Verwaltung wurde in die Strukturen des assyrischen Reiches eingegliedert.

Später kam das Gebiet unter die Herrschaft weiterer Großmächte, darunter Babylonier, Perser, Griechen und Römer. Jede Epoche prägte die Verwaltung, die Wirtschaft und die kulturellen Beziehungen der Region. Samarien lag weiterhin an einer wichtigen Verbindung zwischen den nördlichen und südlichen Landesteilen.

Unter Herodes dem Großen wurde die alte Stadt Samaria in großem Umfang ausgebaut und zu Ehren des römischen Kaisers Augustus in Sebaste umbenannt. Der griechische Name bedeutet sinngemäß „die Erhabene“. Herodes ließ öffentliche Gebäude, Befestigungen und repräsentative Anlagen errichten.

Archäologische Überreste in Sebastia erinnern an diese verschiedenen Bauphasen. Sichtbar sind unter anderem Spuren antiker Straßen, Säulen und großer öffentlicher Gebäude. Die Ruinen zeigen, dass die Stadt auch nach dem Ende des israelitischen Königreichs eine politische und kulturelle Bedeutung behielt.

Wer waren die Samariter?

Die Samariter sind eine eigenständige religiöse Gemeinschaft, die ihre Geschichte mit den alten Israeliten verbindet. Sie verehren den Berg Garizim bei Sichem als den von Gott bestimmten heiligen Ort. Jerusalem und der dortige Tempel besitzen in ihrer Tradition nicht dieselbe zentrale Stellung wie in der jüdischen Überlieferung.

Als heilige Schrift gilt bei den Samaritern besonders der samaritanische Pentateuch, also die fünf Bücher Mose. Er steht dem jüdischen Text des Pentateuch nahe, enthält aber an einzelnen Stellen Unterschiede. Diese Abweichungen betreffen unter anderem die Bedeutung des Berges Garizim.

Die Entstehung der samaritanischen Gemeinschaft lässt sich nicht auf ein einziges Ereignis reduzieren. Sie entwickelte sich über längere Zeit aus den politischen, religiösen und gesellschaftlichen Veränderungen im Gebiet des früheren Nordreichs. Erzählungen über Deportation und Bevölkerungsmischung wurden in späteren jüdischen und samaritanischen Traditionen unterschiedlich bewertet.

Die Bezeichnung „Samariter“ wurde in jüdischen Texten teilweise abwertend verwendet. Gleichzeitig waren Samariter nicht einfach eine beliebige fremde Volksgruppe. Sie verstanden sich selbst als Bewahrer einer alten israelitischen Glaubenstradition und pflegten eigene religiöse Einrichtungen, Priesterlinien und Feste.

Warum gab es Spannungen zwischen Juden und Samaritern?

Die Spannungen hatten mehrere Ursachen. Dazu gehörten unterschiedliche Auffassungen über den richtigen Ort der Gottesverehrung, verschiedene religiöse Traditionen und politische Konflikte. Auch Fragen der Abstammung und der Zugehörigkeit zu Israel spielten eine Rolle.

Für viele Juden war Jerusalem mit seinem Tempel das religiöse Zentrum. Die Samariter hielten dagegen am Berg Garizim fest. Dieser Gegensatz war nicht nur eine theologische Meinungsverschiedenheit, sondern berührte Identität, Geschichte und den Anspruch, die wahre Überlieferung Israels zu bewahren.

Im Alltag konnten Kontakte dennoch nicht vollständig vermieden werden. Die Gebiete lagen unmittelbar nebeneinander, und Menschen handelten miteinander, reisten durch die jeweils andere Region oder nutzten gemeinsame Verkehrswege. Feindschaft und praktische Nachbarschaft bestanden daher gleichzeitig.

Die pauschale Vorstellung, Juden und Samariter hätten keinerlei Kontakt gehabt, führt in die Irre. Die Quellen zeigen vielmehr ein angespanntes Verhältnis mit Misstrauen, Abgrenzung und einzelnen Begegnungen. Genau vor diesem Hintergrund erhalten die Erzählungen des Neuen Testaments ihre besondere Wirkung.

Ruinen der antiken Stadt Samaria bei Sebastia mit Säulen und Hügellandschaft

Was geschah bei Jesu Begegnung mit der Samariterin?

Die Begegnung Jesu mit einer Samariterin wird in Johannes 4 erzählt. Jesus reist durch das samaritanische Gebiet und kommt in die Nähe von Sichem beziehungsweise der Stadt Sychar. An einem Brunnen bittet er eine Samariterin um Wasser und beginnt ein Gespräch mit ihr.

Schon diese Szene überschreitet mehrere soziale Grenzen. Ein jüdischer Mann spricht öffentlich mit einer samaritanischen Frau, und beide gehören zu Gemeinschaften, zwischen denen religiöse Spannungen bestehen. Die Erzählung macht deutlich, dass Jesus die Frau nicht auf ihre Herkunft reduziert.

Im Gespräch geht es zunächst um Wasser, dann um Lebensführung und schließlich um die richtige Verehrung Gottes. Jesus verlagert den Schwerpunkt weg von einem bloßen Streit über den heiligen Ort. Entscheidend wird eine Gottesverehrung, die von Wahrheit und Geist geprägt ist.

Die Frau berichtet anschließend anderen Menschen in ihrem Ort von Jesus. Die Samariter hören ihm zu und kommen zu einer eigenen Einschätzung. Die Erzählung zeigt damit, dass Samarien im Johannesevangelium nicht nur als Gegenbild zu Judäa erscheint, sondern als Ort des Glaubens und der Offenheit.

Was bedeutet das Gleichnis vom barmherzigen Samariter?

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter steht in Lukas 10,25–37. Ein Gesetzeslehrer fragt Jesus, wie sich das Gebot der Nächstenliebe im Alltag verstehen lässt. Jesus erzählt von einem Menschen, der auf dem Weg überfallen wird und schwer verletzt liegen bleibt.

Mehrere Personen sehen den Verletzten, helfen ihm aber nicht. Schließlich kommt ein Samariter vorbei. Ausgerechnet ein Angehöriger der religiös und gesellschaftlich umstrittenen Nachbargruppe kümmert sich um den Verwundeten, versorgt ihn und organisiert seine weitere Pflege.

Die Pointe liegt nicht darin, dass Herkunft unwichtig wäre. Sie zeigt vielmehr, dass ein Mensch durch sein konkretes Handeln zum Nächsten wird. Barmherzigkeit bleibt nicht bei Mitleid oder korrekten Überzeugungen stehen, sondern übernimmt Verantwortung für jemanden in Not.

Das Gleichnis stellt die damaligen Erwartungen auf den Kopf. Der Samariter, den viele Zuhörer nicht als religiöses Vorbild erwartet hätten, handelt vorbildlich. Die Erzählung fordert dazu auf, die Frage „Wer gehört zu meiner Gruppe?“ hinter sich zu lassen und die eigene Verantwortung gegenüber dem verletzlichen Menschen wahrzunehmen.

Praktischer Leseschlüssel: Wenn Sie biblische Samarien-Texte vergleichen, achten Sie auf drei Ebenen: die geografische Region, den Konflikt zwischen Gemeinschaften und die überraschende Rolle, die Samariter in einzelnen Erzählungen übernehmen.

Welche weiteren Samarien-Bezüge gibt es im Neuen Testament?

Jesus begegnet Samaritern nicht nur in der Geschichte vom barmherzigen Samariter und in Johannes 4. In Lukas 9 wird erzählt, dass ein samaritanisches Dorf Jesus und seine Begleiter nicht aufnehmen will, weil sie nach Jerusalem unterwegs sind. Die Reaktion seiner Jünger ist feindselig, Jesus weist diese Haltung jedoch zurück.

Die Szene macht deutlich, dass die Ablehnung Jesu nicht automatisch eine Rechtfertigung für Vergeltung liefert. Samarien erscheint hier als Gebiet mit eigenen religiösen und politischen Bindungen. Zugleich kritisiert die Erzählung den Wunsch, eine feindliche Gruppe zu bestrafen.

In Lukas 17 wird von zehn geheilten Aussätzigen berichtet. Nur einer kehrt zurück, um Dank zu zeigen, und dieser wird als Samariter bezeichnet. Auch hier übernimmt ein Samariter eine herausgehobene Rolle, weil er erkennt, was geschehen ist, und entsprechend handelt.

Die Apostelgeschichte erweitert den Blick. In Apostelgeschichte 1,8 wird Samarien als eine wichtige Station bei der Ausbreitung der christlichen Botschaft genannt. In Apostelgeschichte 8 wird von Philippus berichtet, der in einer Stadt Samariens verkündet und Menschen dort tauft.

Diese Texte verändern die Perspektive auf Samarien. Die Region ist nicht bloß ein Ort des Konflikts zwischen Juden und Samaritern. Sie wird auch zu einem Raum, in dem Heilung, Glauben und die Überwindung von Grenzen sichtbar werden.

Wie sollte man die biblischen Angaben zu Samarien historisch lesen?

Biblische Texte verfolgen unterschiedliche Ziele. Historische Bücher erzählen politische Ereignisse aus einer religiösen Perspektive, prophetische Texte bewerten gesellschaftliche Entwicklungen, und die Evangelien stellen Samarien in den Zusammenhang von Begegnung und Verkündigung.

Eine sorgfältige Lesart fragt deshalb, ob gerade die Stadt Samaria, die Landschaft Samarien oder die samaritanische Bevölkerung gemeint ist. Außerdem sollte man zwischen der Zeit des Nordreichs, der hellenistischen Epoche, der römischen Herrschaft und der Zeit Jesu unterscheiden.

Auch die Begriffe „Juden“ und „Samariter“ dürfen nicht zu modernen Vorstellungen von Nationalstaaten oder heutigen ethnischen Gruppen umgedeutet werden. Die Identitäten der damaligen Menschen waren mit Religion, Herkunft, Wohnort, politischer Zugehörigkeit und Familiengeschichte verbunden.

Archäologie und schriftliche Quellen ergänzen einander, beantworten aber nicht immer dieselben Fragen. Ruinen können zeigen, wann eine Stadt ausgebaut wurde oder welche Gebäude dort standen. Religiöse Texte erklären dagegen, wie Gemeinschaften ihre Vergangenheit deuteten und ihre eigene Identität begründeten.

Welche Orte aus Samarien sind heute besonders bedeutend?

Die Ruinen von Sebastia erinnern an die antike Stadt Samaria und ihre spätere Entwicklung unter hellenistischer, römischer und byzantinischer Herrschaft. Zu den sichtbaren Spuren gehören Reste öffentlicher Bauten, Säulen und Teile der antiken Stadtanlage.

Nablus liegt in der Nähe des antiken Sichem und befindet sich zwischen dem Berg Garizim und dem Berg Ebal. Die Stadt und ihre Umgebung sind für die Geschichte der Samariter besonders wichtig. Auf dem Berg Garizim gibt es bis heute eine kleine samaritanische Gemeinschaft und religiöse Stätten.

Wer sich mit den Orten beschäftigt, sollte die Namen der verschiedenen Epochen auseinanderhalten. Sichem, Samaria, Sebaste und Nablus bezeichnen nicht denselben Ort, auch wenn sie geografisch eng miteinander verbunden sind. Ihre Geschichte überschneidet sich, aber jede Bezeichnung gehört zu einem bestimmten historischen Zusammenhang.

Die heutige Region ist zudem politisch und gesellschaftlich komplex. Biblische Ortsnamen lassen sich nicht ohne Weiteres auf aktuelle Verwaltungsgrenzen übertragen. Für Reisen oder wissenschaftliche Besuche sind aktuelle Sicherheitsinformationen und örtliche Regelungen zu berücksichtigen.

Was macht Samarien für das Verständnis der Bibel wichtig?

Samarien verbindet Geografie, Politik, Religion und soziale Beziehungen. Die Region zeigt, wie die Teilung eines Reiches über Jahrhunderte nachwirken kann. Aus einer politischen Grenze entwickelte sich eine tiefe religiöse und gesellschaftliche Abgrenzung.

Gleichzeitig widersprechen die biblischen Erzählungen einer einfachen Einteilung in gute und schlechte Gruppen. Samarier können als Gegner erscheinen, aber auch als Menschen, die helfen, glauben, danken oder die Botschaft Jesu aufnehmen. Diese wechselnden Rollen gehören zur Aussagekraft der Texte.

Die Geschichte Samarias macht außerdem sichtbar, wie Großmächte das Leben kleinerer Reiche veränderten. Die assyrische Eroberung beendete die Eigenständigkeit des Nordreichs, doch die Region blieb über viele Jahrhunderte bewohnt und kulturell bedeutsam.

Wer Samarien verstehen möchte, sollte daher vier Fragen miteinander verbinden:

  1. Wo liegt die Region? Im zentralen Bergland zwischen Galiläa und Judäa.
  2. Welche politische Funktion hatte sie? Samaria war die Hauptstadt des Nordreichs Israel.
  3. Welche religiöse Gemeinschaft lebte dort? Die Samariter entwickelten eine eigene Tradition mit dem Berg Garizim als Zentrum.
  4. Warum ist Samarien im Neuen Testament wichtig? Weil dort Begegnungen stattfinden, die religiöse und soziale Grenzen infrage stellen.

Welche Bibelstellen helfen beim weiteren Lesen?

Für die Entstehung und Bedeutung der Stadt Samaria sind besonders 1. Könige 16 sowie die Berichte über das Nordreich in 1. und 2. Könige hilfreich. Der Fall Samarias wird vor allem in 2. Könige 17 geschildert. Die prophetische Kritik an den Zuständen im Nordreich findet sich unter anderem bei Amos und Hosea.

Für die Beziehungen zwischen Juden und Samaritern eignen sich Johannes 4, Lukas 9,51–56, Lukas 10,25–37 und Lukas 17,11–19. Die Entwicklung der christlichen Verkündigung in Samarien wird in Apostelgeschichte 1,8 und Apostelgeschichte 8 beschrieben.

Beim Lesen sollten Sie die Bibelstellen nicht isoliert betrachten. Ein Text über die Hauptstadt des Nordreichs behandelt eine andere Frage als ein Gleichnis über einen Samariter. Erst im Zusammenhang von Zeit, Ort und Erzählabsicht wird deutlich, warum Samarien in den jeweiligen Texten eine bestimmte Rolle erhält.

Welche Kernaussagen bleiben zu Samarien?

Samarien war weder ein unbedeutender Randbezirk noch nur ein Schauplatz religiöser Streitigkeiten. Die Region war ein politisches Zentrum, ein landwirtschaftlich geprägter Lebensraum und eine Schnittstelle verschiedener Kulturen.

Die Stadt Samaria prägte die Geschichte des Nordreichs Israel. Nach ihrer Eroberung durch Assyrien blieb das Gebiet politisch und religiös relevant. Die Samariter bewahrten eine eigene Tradition, die sich besonders in der Verehrung des Berges Garizim und im samaritanischen Pentateuch zeigt.

Im Neuen Testament wird Samarien zu einem Prüfstein für den Umgang mit Fremdheit. Ein Samariter kann zum Vorbild der Nächstenliebe werden, eine Samariterin zur wichtigen Gesprächspartnerin Jesu und die Region zu einem frühen Wirkungsfeld der christlichen Verkündigung.

Damit steht Samarien für eine Geschichte, in der Trennung und Begegnung nebeneinander bestehen. Wer die Region geografisch einordnet, ihre politische Vergangenheit kennt und die religiösen Unterschiede berücksichtigt, kann die biblischen Texte genauer und differenzierter lesen.

Häufig gestellte Fragen

Ist Samarien dasselbe wie Samaria?

Nicht ganz. Samarien bezeichnet meistens die historische Landschaft im zentralen Bergland. Samaria war ursprünglich die Hauptstadt des Nordreichs Israel und kann in manchen Texten auch für das umliegende Gebiet stehen. Die Stadt wurde in römischer Zeit unter Herodes dem Großen zu Sebaste ausgebaut. Deshalb hängt die Bedeutung vom jeweiligen historischen oder biblischen Zusammenhang ab.

Gibt es Samariter heute noch?

Ja. Eine kleine samaritanische Gemeinschaft besteht bis heute, vor allem in der Umgebung des Berges Garizim bei Nablus. Sie pflegt eigene religiöse Traditionen, Feste und eine besondere Beziehung zum samaritanischen Pentateuch. Ihre Geschichte ist nicht einfach mit der jüdischen oder christlichen Geschichte gleichzusetzen, auch wenn es gemeinsame Wurzeln und biblische Bezüge gibt.

Warum mied man Samarien zur Zeit Jesu manchmal?

Zwischen Juden und Samaritern bestanden religiöse und gesellschaftliche Spannungen. Besonders umstritten war die Frage, wo Gott verehrt werden sollte: in Jerusalem oder am Berg Garizim. Dennoch gab es Kontakte, Reisen und wirtschaftliche Beziehungen. Die Evangelien greifen diese Spannungen auf und zeigen zugleich, dass Begegnung und Hilfe über Gruppengrenzen hinweg möglich sind.

Wo kann man die Überreste von Samaria besichtigen?

Die Ruinen der antiken Stadt liegen beim heutigen Sebastia im Westjordanland, nordwestlich von Nablus. Dort sind unter anderem Spuren römischer und hellenistischer Bauten erhalten. Die historische Stadt Samaria ist nicht mit Nablus identisch. Vor einem Besuch sollten Sie aktuelle Reisehinweise, Zugangsregelungen und die örtliche Sicherheitslage prüfen.

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