Genesis 2: Schöpfung, Eden und die Bedeutung des Menschen

Genesis 2: Schöpfung, Eden und die Bedeutung des Menschen

Genesis 2 beschreibt den siebten Schöpfungstag, die besondere Erschaffung des Menschen, den Garten Eden und die Beziehung zwischen Mann und Frau. Das Kapitel zeigt den Menschen als Geschöpf, das aus der Erde geformt und durch Gottes Lebensatem lebendig wird. Zugleich erzählt es, warum Arbeit, Verantwortung, Partnerschaft und menschliche Grenzen zum Leben gehören.

Der Text beginnt mit der Vollendung der Schöpfung und führt anschließend in eine detaillierte Erzählung über Adam und Eva. Genesis 2 ist deshalb nicht nur ein Bericht über den Ursprung der Menschheit, sondern auch ein Text über Ruhe, Lebensraum, Verantwortung und Gemeinschaft.

Welchen Inhalt Genesis 2 in der richtigen Reihenfolge erzählt

Genesis 2 lässt sich in mehrere Handlungsschritte gliedern. Die Reihenfolge hilft dabei, die einzelnen Bilder des Kapitels nicht voneinander zu trennen, sondern ihren Zusammenhang zu erkennen.

  1. Die Schöpfung wird vollendet: Gott beendet sein Schöpfungswerk und heiligt den siebten Tag als Ruhetag.
  2. Der Mensch wird aus Erde gebildet: Der Mensch erhält Leben durch den Atem Gottes und wird dadurch zu einem lebendigen Wesen.
  3. Der Garten Eden wird angelegt: Gott setzt den Menschen in einen fruchtbaren Garten mit Bäumen, Wasser und Nahrung.
  4. Der Mensch erhält einen Auftrag: Er soll den Garten bebauen und bewahren.
  5. Eine Grenze wird genannt: Der Mensch darf von den Bäumen des Gartens essen, mit Ausnahme des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse.
  6. Die Einsamkeit des Menschen wird benannt: Gott stellt fest, dass der Mensch nicht allein bleiben soll.
  7. Die Tiere werden dem Menschen zugeordnet: Er gibt ihnen Namen, findet unter ihnen aber keine entsprechende Gemeinschaft.
  8. Die Frau entsteht: Gott schafft aus der Seite des Menschen eine Partnerin, und der Text beschreibt ihre besondere Verbundenheit.

Kernidee: Genesis 2 verbindet die Würde des Menschen mit seiner Geschöpflichkeit. Der Mensch ist weder selbst göttlich noch bedeutungslos: Er lebt aus Gottes Atem und trägt Verantwortung für die ihm anvertraute Welt.

Wie Genesis 2 den siebten Tag und die Ruhe beschreibt

Am Anfang des Kapitels steht die Ruhe am siebten Tag. Nachdem Himmel und Erde vollendet sind, wird dieser Tag gesegnet und geheiligt. Die Ruhe erscheint damit nicht als Erschöpfung nach zu viel Arbeit, sondern als bewusst gesetzter Bestandteil der Schöpfungsordnung.

Der siebte Tag erhält einen besonderen Status, weil Gott an ihm von seinem Schöpfungswerk ruht. Genesis 2 begründet damit ein Verständnis von Zeit, in dem Arbeit nicht der einzige Maßstab für ein gelungenes Leben ist. Auch Unterbrechung, Feier und Ausrichtung auf Gott gehören zur guten Ordnung.

Im Vergleich zu späteren biblischen Texten steht hier noch kein ausführliches Gebot für eine Gemeinschaft. Dennoch liegt ein grundlegender Gedanke vor: Ruhe ist nicht nutzlose Zeit. Sie kann den Menschen daran erinnern, dass die Welt nicht vollständig von seiner Leistung abhängt.

Warum Genesis 2 eine zweite Schöpfungserzählung enthält

Viele Leser bemerken, dass Genesis 2 die Entstehung des Menschen anders anordnet als Genesis 1. In Genesis 1 erscheint der Mensch am Ende einer umfassenden Abfolge von Licht, Himmel, Land, Pflanzen, Tieren und schließlich Menschen. Genesis 2 beginnt dagegen mit einer näheren Darstellung des Menschen und seines Lebensraums.

Diese beiden Kapitel verfolgen unterschiedliche Schwerpunkte. Genesis 1 betont die Ordnung der gesamten Schöpfung, die Würde des Menschen als Ebenbild Gottes und die wiederkehrende Bewertung der Schöpfung als gut. Genesis 2 erzählt anschaulicher und persönlicher von Erde, Atem, Garten, Arbeit, Grenze und Beziehung.

Genesis 2 muss daher nicht als technische Wiederholung mit identischem Aufbau gelesen werden. Der Text zoomt vielmehr auf die menschliche Lebenswelt. Er fragt weniger nach der vollständigen kosmischen Reihenfolge als danach, wie Menschen in Beziehung zu Gott, zur Erde, zu ihrer Arbeit und zueinander leben.

Auch sprachlich ist der Unterschied erkennbar. Genesis 1 verwendet eine stark geordnete, wiederkehrende Struktur. Genesis 2 arbeitet mit Bildern und konkreten Szenen: Erde wird befeuchtet, ein Mensch wird geformt, ein Garten wird bepflanzt, Tiere werden benannt und eine Partnerin wird geschaffen.

Was die Erschaffung des Menschen aus Erde bedeutet

Genesis 2 beschreibt den Menschen als Wesen aus Erde und Gottes Lebensatem. Das hebräische Wortspiel zwischen „Mensch“ und „Erdboden“ wird in vielen deutschen Übersetzungen nur teilweise sichtbar. Es verweist darauf, dass der Mensch eng mit der Erde verbunden ist, aus der er genommen wurde und von der er lebt.

Die Erdverbundenheit ist keine Abwertung. Der Mensch wird nicht als wertloser Stoff dargestellt, sondern als Geschöpf, das Gott bewusst formt und belebt. Seine Würde beruht nicht darauf, dass er unabhängig von der Welt existieren könnte. Sie beruht auf seiner Beziehung zu Gott und seiner besonderen Aufgabe innerhalb der Schöpfung.

Der Lebensatem macht deutlich, dass menschliches Leben mehr ist als eine rein körperliche Tatsache. Genesis 2 erklärt den Menschen als lebendiges Wesen, dessen Leben von Gott herkommt. Dabei wird keine naturwissenschaftliche Beschreibung des menschlichen Körpers gegeben. Der Text spricht in einer religiösen Bildsprache über Ursprung, Abhängigkeit und Lebensfülle.

Aus dieser Darstellung lassen sich zwei Seiten menschlicher Existenz ableiten. Der Mensch ist verletzlich und vergänglich, weil er aus Erde besteht. Gleichzeitig besitzt er eine besondere Würde, weil sein Leben durch Gottes Atem gekennzeichnet ist. Beide Aussagen gehören zusammen und verhindern sowohl Selbstüberhöhung als auch Selbstverachtung.

Welche Bedeutung der Garten Eden in Genesis 2 hat

Der Garten Eden wird als fruchtbarer Lebensraum beschrieben, in dem Gott Bäume wachsen lässt, die schön anzusehen und nützlich als Nahrung sind. In seiner Mitte stehen der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Der Garten ist damit mehr als eine Landschaft: Er symbolisiert eine geordnete Welt, in der Leben, Nahrung, Schönheit und Verantwortung zusammengehören.

Das Wasser nimmt eine auffällige Rolle ein. Ein Strom geht von Eden aus und teilt sich in mehrere Flüsse. Genannt werden Pischon, Gihon, der Tigris und der Euphrat. Die Angaben verbinden die Erzählung mit bekannten Regionen des Alten Orients, lassen sich aber nicht ohne Weiteres in eine moderne Landkarte übertragen.

Für die Bedeutung des Gartens ist vor allem seine Funktion entscheidend. Er ist ein Ort der Versorgung und der Nähe zu Gott, aber kein Raum ohne Regeln. Der Mensch erhält dort Nahrung und Schutz, zugleich aber auch einen Auftrag und eine Grenze.

Die Erwähnung des Gartens vermittelt außerdem ein ganzheitliches Bild des guten Lebens. Körperliche Bedürfnisse wie Essen, körperliche Arbeit und Nähe zu einer anderen Person werden nicht als nebensächlich behandelt. Sie gehören zur geschaffenen Ordnung und stehen unter Gottes Fürsorge.

Was der Auftrag „bebauen und bewahren“ für den Menschen bedeutet

Gott setzt den Menschen in den Garten, damit er ihn bebaut und bewahrt. Diese beiden Verben verbinden Gestaltung und Schutz. Der Mensch soll die Erde nicht lediglich nutzen, sondern ihre Fruchtbarkeit erhalten und mit ihr verantwortlich umgehen.

„Bebauen“ kann an Arbeit, Pflege und Entwicklung denken lassen. Der Mensch darf die Welt gestalten und ihre Möglichkeiten nutzen. „Bewahren“ setzt dieser Gestaltung eine Grenze: Was anvertraut ist, darf nicht rücksichtslos verbraucht oder zerstört werden.

  • Arbeit: Der Auftrag zur Tätigkeit gehört bereits zur guten Schöpfung und ist nicht erst eine Folge des späteren Ungehorsams.
  • Verantwortung: Der Mensch besitzt die Erde nicht grenzenlos, sondern erhält sie als anvertrauten Lebensraum.
  • Fürsorge: Nutzung und Schutz müssen zusammengehören, damit Leben erhalten bleibt.
  • Begrenzung: Menschliche Freiheit bedeutet nicht, jede Möglichkeit ohne Rücksicht ausüben zu dürfen.

Damit bietet Genesis 2 einen wichtigen Gegenakzent zu einem Verständnis von Herrschaft, das nur Besitz und Kontrolle meint. Der Mensch hat eine besondere Stellung, aber diese Stellung wird durch einen Dienstauftrag konkretisiert. Wer aus dem Kapitel eine unbegrenzte Ausbeutung der Natur ableitet, trennt die Herrschaftsidee von der ausdrücklich genannten Pflicht, den Garten zu bewahren.

Warum die Grenze beim Baum der Erkenntnis wichtig ist

Der Mensch darf von den Bäumen des Gartens essen, mit einer klar genannten Ausnahme. Vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse soll er nicht essen. Genesis 2 erzählt an dieser Stelle noch nicht den tatsächlichen Ungehorsam; dieser wird erst in Genesis 3 berichtet.

Die Grenze macht sichtbar, dass die Freiheit des Menschen innerhalb einer Beziehung zu Gott steht. Der Mensch erhält reichlich Nahrung und einen weiten Lebensraum, aber nicht uneingeschränkte Selbstbestimmung. Er ist frei, doch seine Freiheit bleibt auf Gottes Wort bezogen.

Die Formulierung „Gut und Böse“ wird häufig als Hinweis auf umfassende moralische Erkenntnis verstanden. Je nach Auslegung kann sie auch den Anspruch bezeichnen, selbst über grundlegende Maßstäbe zu verfügen. Der Text legt nahe, dass der Mensch nicht die Stelle Gottes einnehmen soll, indem er die letzte Ordnung von Gut und Böse unabhängig festlegt.

Die Grenze ist dabei nicht als unnötige Willkür dargestellt. Sie gehört zu einer Beziehung, in der Vertrauen möglich sein soll. Eine Welt ohne jede Grenze wäre in der Logik von Genesis 2 keine größere Freiheit, sondern eine Welt ohne anerkanntes Gegenüber und ohne verantwortliche Orientierung.

Genesis 2: Schöpfung, Eden und die Bedeutung des Menschen

Was „Der Mensch ist nicht allein“ über Beziehungen sagt

Eine zentrale Aussage lautet, dass es für den Menschen nicht gut ist, allein zu sein. Das ist die erste Stelle, an der innerhalb der Schöpfung ausdrücklich etwas als nicht gut bezeichnet wird. Gemeint ist nicht nur Einsamkeit im emotionalen Sinn, sondern das Fehlen einer passenden menschlichen Gemeinschaft.

Der Mensch wird nicht dadurch vollständig, dass er den Garten allein verwaltet. Auch die Beziehung zu Gott ersetzt nicht die Notwendigkeit menschlicher Verbundenheit. Genesis 2 beschreibt den Menschen als Beziehungswesen, dessen Leben auf Gemeinschaft ausgerichtet ist.

Die Tiere werden zu Adam gebracht, und er gibt ihnen Namen. Das Benennen zeigt seine Wahrnehmung, sprachliche Fähigkeit und ordnende Verantwortung. Zugleich wird deutlich, dass kein Tier eine Gemeinschaft auf Augenhöhe ersetzt. Die Tiere gehören zur Schöpfung, aber der Mensch findet unter ihnen keine ihm entsprechende Partnerin.

Die Szene macht auch deutlich, dass Partnerschaft nicht nur aus praktischer Hilfe besteht. Eine passende Gemeinschaft umfasst gegenseitige Zugehörigkeit, Vertrautheit und die Möglichkeit, das Leben mit einem anderen Menschen zu teilen. Die biblische Erzählung stellt diese Beziehung als Teil der guten Schöpfung dar.

Wie die Frau aus der Seite des Menschen geschaffen wird

Genesis 2 erzählt, dass Gott den Menschen in einen tiefen Schlaf fallen lässt und aus seiner Seite eine Frau bildet. Manche Übersetzungen geben das zugrunde liegende hebräische Wort traditionell mit „Rippe“ wieder; „Seite“ gilt als eine mögliche genauere Wiedergabe. Entscheidend ist die Aussage über enge Zugehörigkeit, nicht eine medizinische Erklärung der Entstehung.

Die Frau wird nicht aus einem unabhängigen, fremden Material geschaffen, sondern aus der Seite des Menschen. Das Bild kann Nähe und Gleichrangigkeit ausdrücken: nicht aus dem Kopf, um über dem Mann zu stehen, und nicht aus dem Fuß, um unter ihm zu stehen, sondern aus seiner Seite. Diese bekannte Deutung ist eine spätere bildhafte Auslegung; der biblische Text selbst betont vor allem die gemeinsame menschliche Herkunft.

Die erste Reaktion des Mannes ist ein poetischer Ausruf der Zugehörigkeit. Er erkennt in der Frau jemanden, der zu ihm gehört und ihm entspricht. Der Text stellt damit eine Beziehung vor, die von Anerkennung und Verwandtschaft geprägt ist, nicht von Fremdheit.

Genesis 2 legt den Grund für eine besondere Form der Partnerschaft. Sie beruht auf gemeinsamer Geschöpflichkeit und gegenseitiger Bezogenheit. Daraus lässt sich keine Begründung für die Unterordnung der Frau gewinnen; eine solche Hierarchie wird in diesem Kapitel nicht angeordnet.

Lesart für Partnerschaft: Genesis 2 beschreibt Mann und Frau als eng verbundene Menschen mit gemeinsamer Herkunft. Die Erzählung begründet Nähe und gegenseitige Zugehörigkeit, nicht den Wertunterschied zwischen den Geschlechtern.

Was „ein Fleisch“ in Genesis 2 bedeutet

Am Ende des Kapitels wird die Verbindung von Mann und Frau als „ein Fleisch“ beschrieben. Das ist kein wörtlicher Hinweis darauf, dass zwei Körper zu einem einzigen Körper werden. Die Formulierung bezeichnet eine tiefe leibliche, persönliche und soziale Einheit.

Im biblischen Sprachgebrauch kann „Fleisch“ die ganze vergängliche menschliche Existenz meinen. Wenn zwei Menschen „ein Fleisch“ werden, betrifft ihre Verbindung deshalb nicht nur Sexualität, sondern auch Verwandtschaft, Lebensgemeinschaft und gegenseitige Verpflichtung.

Der Text stellt die Beziehung vor der späteren Entfremdung als frei von Scham dar. Nacktheit wird nicht mit Ausbeutung, Beschämung oder Angst verbunden. Das beschreibt eine ursprüngliche Form von Vertrauen, in der beide Menschen einander sehen können, ohne sich voreinander schützen zu müssen.

Diese Darstellung bedeutet nicht, dass jede menschliche Beziehung konfliktfrei bleiben muss. Sie zeichnet vielmehr ein Ideal von Transparenz, Sicherheit und gegenseitiger Annahme. Gerade im Kontrast zu den folgenden Kapiteln wird sichtbar, wie Verletzlichkeit, Misstrauen und Schuld diese Nähe beschädigen können.

Wie Genesis 2 Arbeit, Ruhe und Beziehung miteinander verbindet

Die Themen des Kapitels stehen nicht zufällig nebeneinander. Der Mensch braucht Ruhe, übernimmt Arbeit, lebt von der Erde, erhält Grenzen und sucht Gemeinschaft. Genesis 2 zeichnet damit kein eindimensionales Bild des Menschen als Arbeiter oder religiöses Wesen, sondern verbindet mehrere Lebensbereiche.

Ruhe schützt vor der Vorstellung, der Wert eines Menschen hänge ausschließlich von seiner Leistung ab. Arbeit zeigt, dass menschliche Tätigkeit zur Verantwortung für die Welt gehört. Beziehung erinnert daran, dass kein Mensch für sich allein geschaffen ist. Grenzen bewahren die Freiheit davor, in Selbstherrschaft umzuschlagen.

  • Der Mensch ist von Gott abhängig und dennoch mit Würde ausgestattet.
  • Er gehört zur Erde und trägt zugleich Verantwortung für sie.
  • Er darf gestalten, ist aber nicht der absolute Eigentümer des Lebensraums.
  • Er braucht Ruhe, damit Tätigkeit nicht zum alleinigen Lebenszweck wird.
  • Er lebt in Beziehung und kann seine Bestimmung nicht nur individuell verstehen.
  • Er besitzt Freiheit innerhalb einer von Gott gesetzten Ordnung.

Diese Verbindung macht Genesis 2 für ethische Fragen weiterhin relevant. Das Kapitel liefert keine modernen Fachbegriffe für Umweltethik, Arbeitsrecht oder Beziehungstherapie. Es bietet aber Grundmotive, mit denen sich solche Fragen prüfen lassen: Dient eine Handlung dem Leben, achtet sie Grenzen, schützt sie Schwache und erhält sie die Beziehung zur Welt und zu anderen Menschen?

Welche Fragen Genesis 2 offenlässt

Genesis 2 erklärt nicht jeden Ursprung in derselben Ausführlichkeit. Der Text nennt beispielsweise keine naturwissenschaftlichen Prozesse und entwickelt keine vollständige Lehre über Ehe, Sexualität oder Arbeit. Wer das Kapitel liest, sollte deshalb zwischen dem unterscheiden, was ausdrücklich erzählt wird, und dem, was spätere Auslegungen daraus ableiten.

Auch die geografischen Angaben zum Garten Eden bleiben in gewisser Weise offen. Die Nennung von Flüssen verankert die Erzählung in einer bekannten Welt, aber der genaue Ort des Gartens lässt sich nicht sicher bestimmen. Versuche, Eden mit einer bestimmten archäologischen Fundstelle gleichzusetzen, gehen über die Aussagen des Textes hinaus.

Unklar bleibt außerdem, wie die Entstehung der Frau biologisch zu verstehen wäre. Die Erzählung verwendet symbolisch dichte Sprache und will vor allem die Einheit und Nähe der beiden Menschen darstellen. Eine naturwissenschaftliche Rekonstruktion kann aus diesen Bildern nicht zuverlässig gewonnen werden.

Diese offenen Fragen mindern die Bedeutung des Kapitels nicht. Sie zeigen vielmehr, dass Genesis 2 mit einer anderen Absicht geschrieben ist als ein modernes Lehrbuch. Der Text fragt nach dem Sinn menschlicher Existenz, nach ihrer Begrenzung und nach der Verantwortung, die aus der besonderen Stellung des Menschen entsteht.

Wie Sie Genesis 2 sorgfältig lesen können

Für eine persönliche oder gemeinschaftliche Bibellektüre kann es helfen, die Erzählung in mehreren Durchgängen zu lesen. Zuerst achten Sie auf die Handlung, danach auf wiederkehrende Begriffe und schließlich auf die Fragen, die der Text an das eigene Leben richtet.

  1. Lesen Sie den Ablauf: Markieren Sie, wann Ruhe, Mensch, Garten, Auftrag, Grenze, Tiere und Frau erwähnt werden.
  2. Beachten Sie die Beziehungen: Fragen Sie, wie Gott, Mensch, Erde, Tiere und Partnerin zueinander stehen.
  3. Prüfen Sie die Grenzen: Unterscheiden Sie zwischen Freiheit, Verantwortung und dem Anspruch, alles selbst bestimmen zu wollen.
  4. Vergleichen Sie Genesis 1 und 2: Achten Sie auf die unterschiedlichen Schwerpunkte, ohne vorschnell nur Widersprüche zu suchen.
  5. Lesen Sie Genesis 3 anschließend: Dadurch wird sichtbar, wie sich Scham, Misstrauen und Entfremdung von der ursprünglichen Nähe unterscheiden.

Eine hilfreiche Leitfrage lautet: Welche Vorstellung vom guten menschlichen Leben entsteht hier? Genesis 2 antwortet mit einem Zusammenspiel aus Gottesnähe, Lebensraum, sinnvoller Tätigkeit, begrenzter Freiheit, Ruhe und verlässlicher Gemeinschaft.

Welche Bedeutung Genesis 2 für den Glauben hat

Für den jüdischen und christlichen Glauben gehört Genesis 2 zu den grundlegenden Texten über die Stellung des Menschen vor Gott. Der Mensch wird weder als zufälliger Fremdkörper in der Welt noch als selbstgenügsamer Herrscher dargestellt. Er empfängt sein Leben, gestaltet die Erde und bleibt auf Gottes Weisung angewiesen.

Das Kapitel kann deshalb als Grundlage für mehrere Überzeugungen gelesen werden: Das Leben ist Gabe, die Erde ist anvertraut, Arbeit besitzt Würde, Ruhe hat einen eigenen Wert und menschliche Beziehungen gehören zur guten Schöpfung. Gleichzeitig erinnert die Grenze beim Baum daran, dass menschliche Erkenntnis und Macht nicht unbegrenzt sind.

Genesis 2 bleibt dabei vor allem eine Erzählung. Seine Aussagen entstehen aus Bildern, Handlungen und Beziehungen, nicht aus abstrakten Definitionen. Wer den Text ernst nimmt, sollte daher sowohl seine religiöse Aussagekraft als auch seine literarische Form berücksichtigen.

Die bleibende Frage des Kapitels lautet, wie Menschen ihre Freiheit gebrauchen. Sie können die Erde pflegen oder ausbeuten, Beziehungen als Geschenk oder als Besitz verstehen, Arbeit sinnvoll gestalten oder sich von ihr beherrschen lassen. Genesis 2 setzt dafür einen Maßstab: Menschliches Leben gelingt dort, wo Verantwortung, Begrenzung, Ruhe und gegenseitige Zugehörigkeit zusammenfinden.

Häufig gestellte Fragen

Ist Genesis 2 eine andere Version der Schöpfung als Genesis 1?

Genesis 2 erzählt die Schöpfung mit einem anderen Schwerpunkt. Während Genesis 1 die geordnete Entstehung der gesamten Welt beschreibt, konzentriert sich Genesis 2 auf den Menschen, den Garten Eden und seine Beziehungen. Viele Auslegungen verstehen das Kapitel daher als vertiefende, stärker auf die menschliche Lebenswelt gerichtete Darstellung und nicht als bloße Wiederholung derselben Abfolge.

Was bedeutet der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse?

Der Baum markiert eine Grenze innerhalb der menschlichen Freiheit. Seine Bedeutung wird unterschiedlich ausgelegt: Er kann für umfassende moralische Erkenntnis, für den Anspruch auf letztgültige Selbstbestimmung oder für die Entscheidung zwischen Vertrauen und Misstrauen stehen. Genesis 2 betont jedenfalls, dass der Mensch nicht unabhängig von Gottes Ordnung über alles verfügen soll.

Ist Arbeit nach Genesis 2 eine Folge des Sündenfalls?

Nein. Bereits vor Genesis 3 erhält der Mensch den Auftrag, den Garten zu bebauen und zu bewahren. Arbeit wird dort als sinnvolle Verantwortung innerhalb der guten Schöpfung dargestellt. Erst die später erzählten Folgen des Ungehorsams verändern die Bedingungen menschlicher Arbeit und machen sie mühsam, belastet und von Entfremdung geprägt.

Warum wird die Frau aus der Seite des Menschen geschaffen?

Die Erzählung unterstreicht damit die enge gemeinsame Herkunft von Mann und Frau. Das Bild der Seite kann Nähe, Zugehörigkeit und Gleichrangigkeit ausdrücken. Der Text erklärt keine biologische Operation und ordnet die Frau nicht dem Mann unter. Sein Schwerpunkt liegt auf der Entstehung einer entsprechenden menschlichen Gemeinschaft und der Verbundenheit beider Personen.

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