Abbadon (Abaddon): Bedeutung in der Bibel

Abbadon, in vielen Bibelübersetzungen Abaddon geschrieben, bezeichnet zunächst den Bereich des Verderbens und der Zerstörung. In der Offenbarung erscheint der Name außerdem als Bezeichnung für den Engel des Abgrunds, der auf Griechisch Apollyon heißt.
Was Abbadon in der Bibel ursprünglich bedeutet
Der Name geht auf das hebräische Wort ʾăbaddōn zurück. Es steht sprachlich mit dem Verb für zerstören oder zugrunde gehen in Verbindung. Deshalb wird Abbadon häufig mit „Verderben“, „Vernichtung“ oder „Ort der Zerstörung“ wiedergegeben.
In den älteren biblischen Texten ist Abbadon zunächst kein Eigenname eines Teufels. Das Wort beschreibt vielmehr eine Wirklichkeit, die mit dem Tod, der Unterwelt und dem endgültigen Verfall verbunden ist. Erst in der Offenbarung erhält der Ausdruck die Gestalt einer bestimmten himmlischen oder übernatürlichen Figur.
Wichtiger Unterschied: In den Weisheitsbüchern bezeichnet Abbadon vor allem den Bereich des Verderbens. In Offenbarung 9,11 wird Abaddon als Name des Engels des Abgrunds verwendet.
In welchen Bibelstellen Abbadon vorkommt
Der Begriff erscheint im Alten Testament beziehungsweise in den hebräischen Schriften an mehreren Stellen, besonders in den Weisheitsbüchern. Dort wird er häufig gemeinsam mit Scheol, dem Bereich der Toten, genannt. Die Aussagen beschreiben Gottes Wissen über verborgene und für Menschen unzugängliche Bereiche.
- Hiob 26,6: Scheol und Abbadon liegen vor Gott offen; nichts im Bereich des Todes bleibt seinem Wissen verborgen.
- Hiob 28,22: Abbadon und der Tod kennen die Weisheit nicht aus eigener Erfahrung und können ihren Wert nicht ausloten.
- Hiob 31,12: Abbadon steht im Zusammenhang mit einem zerstörerischen Feuer, das Unrecht und Schuld verzehren kann.
- Psalm 88,12: Abbadon wird neben dem Grab und dem Bereich der Toten genannt, wenn nach Gottes Wundern dort gefragt wird.
- Sprüche 15,11: Scheol und Abbadon liegen vor dem Herrn; damit wird Gottes umfassende Kenntnis betont.
- Sprüche 27,20: Scheol und Abbadon werden mit der unstillbaren Sehnsucht menschlicher Augen verglichen.
- Offenbarung 9,11: Abaddon ist der Name des Engels des Abgrunds, der auf Griechisch Apollyon heißt.
Die genaue Form kann je nach Übersetzung unterschiedlich aussehen. Manche Ausgaben schreiben Abaddon, andere übertragen den Sinn mit „Verderben“ oder verwenden eine Mischform. Die Schreibweise „Abbadon“ begegnet vor allem als deutsche oder internationale Variante, während „Abaddon“ näher an der hebräischen und griechischen Überlieferung liegt.
Wie die alttestamentlichen Stellen Abbadon verwenden
Die Aussagen im Buch Hiob und in den Sprüchen sind meist poetisch formuliert. Abbadon erscheint dort nicht als handelnde Gestalt mit einer ausführlichen Geschichte, sondern als bildhafter Bereich, der mit Tod, Verlust und Vergänglichkeit verbunden ist.
In Hiob 26,6 steht Abbadon für einen verborgenen Ort, der Gott dennoch bekannt ist. Der Zusammenhang beschreibt Gottes Macht über Himmel, Erde und die Bereiche, die dem Menschen verborgen bleiben. Die Aussage richtet den Blick nicht auf einen Dämon, sondern auf die Grenzen menschlicher Erkenntnis.
Hiob 28 setzt Abbadon in Beziehung zur Suche nach Weisheit. Menschen können kostbare Metalle aus der Erde fördern und verborgene Schätze aufspüren. Die Weisheit selbst lässt sich jedoch nicht auf dieselbe Weise finden. Selbst Tod und Abgrund kennen ihren Wert nicht vollständig.
In Hiob 31,12 wird Abbadon als Bild für eine zerstörerische Macht verwendet. Der Sprecher weist eine schwere Verfehlung zurück und beschreibt ihre mögliche Wirkung als Feuer. Der Vers behandelt daher nicht die Beschreibung eines bestimmten Wesens, sondern die zerstörerische Konsequenz von Schuld.
Psalm 88 gehört zu den Klagepsalmen. Der Beter befindet sich in großer Not und fragt, ob Gottes Wunder im Bereich der Toten verkündet werden. Abbadon steht hier zusammen mit dem Grab und dem Land des Vergessens. Die Sprache macht die Erfahrung äußerster Gottesferne und menschlicher Hilflosigkeit verständlich.
Die Sprüche verwenden den Begriff anders als eine Erzählung über einen Engel. In Sprüche 15,11 wird ausgedrückt, dass selbst Scheol und Abbadon vor Gott offenliegen. Sprüche 27,20 betont dagegen die Unersättlichkeit menschlicher Wünsche: So wie der Bereich des Todes nicht „satt“ wird, verlangen auch die Augen des Menschen immer weiter.
Wie Sie die Bedeutung einer Abbadon-Stelle bestimmen
Eine einzelne Übersetzung kann den Eindruck erwecken, Abbadon sei immer dieselbe Person. Der Kontext zeigt jedoch, dass die Bibel den Ausdruck in unterschiedlichen Zusammenhängen nutzt. Diese vier Schritte helfen bei der Einordnung:
- Die Bibelstelle prüfen: Lesen Sie nicht nur den einzelnen Vers, sondern auch die umliegenden Verse. Besonders bei poetischen Texten entsteht die Bedeutung aus mehreren Bildern zusammen.
- Auf die Textgattung achten: Hiob, Psalmen und Sprüche arbeiten häufig mit Metaphern und Parallelismen. Die Offenbarung erzählt dagegen in apokalyptischen Bildern und nennt eine konkrete Gestalt.
- Die Nachbarbegriffe vergleichen: Stehen Scheol, Grab, Tod oder Vergessen daneben, weist Abbadon wahrscheinlich auf den Bereich des Todes oder Verderbens hin.
- Übersetzungen gegenüberstellen: Prüfen Sie, ob eine Bibelausgabe den hebräischen Namen beibehält oder ihn mit „Verderben“ beziehungsweise „Vernichtung“ übersetzt.
- Altes und Neues Testament unterscheiden: Die Verwendung in Offenbarung 9,11 baut auf der älteren Bedeutung des Verderbens auf, ist aber nicht einfach mit jeder alttestamentlichen Stelle gleichzusetzen.
Diese Vorgehensweise verhindert eine häufige Verwechslung: Die bloße Erwähnung von Abbadon bedeutet nicht automatisch, dass eine Figur mit dem christlichen Satan gemeint ist. Abaddon und Satan sind in der Bibel nicht dieselbe Gestalt, auch wenn spätere Deutungen sie miteinander verbinden.
Was Offenbarung 9,11 über Abaddon sagt
Die wichtigste Stelle für Abaddon als Gestalt steht in Offenbarung 9,11. Dort wird ein Engel des Abgrunds genannt. Sein hebräischer Name lautet Abaddon, sein griechischer Name Apollyon. Beide Namen tragen im Kern die Bedeutung „Verderber“ oder „Zerstörer“.
Die Stelle gehört zu den Visionen der Offenbarung. Nach dem Ertönen der fünften Posaune öffnet sich der Abgrund, und aus ihm steigen zerstörerische Wesen auf. Über ihnen steht der Engel des Abgrunds. Der Text verbindet ihn damit ausdrücklich mit dem Abgrund, nicht mit der allgemeinen Beschreibung des Totenreichs aus den Weisheitsbüchern.
Die Offenbarung verwendet eine stark symbolische Bildsprache. Sterne, Posaunen, Siegel, Tiere und Zahlen tragen innerhalb der Visionen oft eine theologische Bedeutung. Deshalb sollte der Engel Abaddon nicht vorschnell wie eine Figur aus einer modernen Fantasy-Erzählung behandelt werden. Die Szene vermittelt vor allem das Bild einer begrenzten, gerichtlichen Zerstörungsmacht.
Der Engel wird als „König“ über die Wesen aus dem Abgrund bezeichnet. Damit erhält er eine klarere Rolle als in den alttestamentlichen Texten. Dennoch bleibt die Szene knapp. Die Offenbarung erzählt keine ausführliche Biografie Abaddons und gibt keine Angaben zu seiner Herkunft, seinem Aussehen oder einer eigenen Vorgeschichte.
Offenbarung 9,11 nennt Abaddon und Apollyon als zwei Namen für den Engel des Abgrunds.
Warum Abaddon und Apollyon zusammengehören
Die Offenbarung richtet sich an ein Umfeld, in dem sowohl Hebräisch als auch Griechisch als religiöse und kulturelle Bezugssprachen eine Rolle spielen. Der Text nennt deshalb den Namen in beiden Sprachformen. Abaddon ist die hebräische Form, Apollyon die griechische Entsprechung.
Apollyon hängt mit dem griechischen Verb für zerstören oder zugrunde richten zusammen. Der griechische Name erklärt damit die Bedeutung des hebräischen Namens. Es handelt sich nicht um zwei verschiedene Engel, sondern um zwei Namen derselben Gestalt innerhalb der Vision von Offenbarung 9.
Die doppelte Namensgebung unterstreicht zugleich die Botschaft des Textes. Der Leser soll nicht nur einen geheimnisvollen Eigennamen hören, sondern die Funktion dieser Figur verstehen: Abaddon ist mit dem Verderben verbunden und führt die zerstörerischen Mächte des Abgrunds an.
Ist Abaddon ein Dämon, ein Engel oder Satan
Die Bibelstelle in Offenbarung 9,11 bezeichnet Abaddon ausdrücklich als Engel des Abgrunds. Das Wort „Engel“ bedeutet im biblischen Sprachgebrauch zunächst Bote oder himmlisches Wesen. Die Bezeichnung allein sagt noch nicht, ob diese Gestalt im modernen Sinn „gut“ oder „böse“ ist.
Im Zusammenhang der Vision wirkt Abaddon eindeutig bedrohlich. Die Mächte aus dem Abgrund quälen Menschen, und ihre Erscheinung gehört zu einer Gerichtsszene. Dennoch nennt der Text Abaddon nicht Satan. Eine direkte Gleichsetzung mit Satan steht in Offenbarung 9,11 nicht.
Auch die alttestamentlichen Stellen beschreiben Abbadon nicht als Dämon. Dort ist der Begriff überwiegend eine Bezeichnung für Verderben, Tod oder den Bereich, in dem menschliche Macht endet. Wer alle Vorkommen zu einer einzigen dämonischen Persönlichkeit zusammenfügt, vermischt unterschiedliche Textzusammenhänge.
Spätere jüdische und christliche Schriften, Auslegungen und populäre Darstellungen haben Abaddon teilweise als Dämon oder Höllenfürsten vorgestellt. Solche Deutungen können für die Wirkungsgeschichte interessant sein, dürfen aber nicht als unmittelbare Aussage jeder biblischen Stelle ausgegeben werden.
Zur Einordnung: Die Bibel liefert keine ausführliche Lehre über Abaddon als eigenständige Gegenfigur zu Gott. Sicher belegt sind der Begriff für Verderben in mehreren Weisheitstexten und der Engel des Abgrunds in Offenbarung 9,11.

Welche Rolle der Abgrund in der Offenbarung spielt
Der Abgrund ist in der Offenbarung ein Bereich, der mit chaotischen und zerstörerischen Mächten verbunden ist. Er ist nicht einfach eine genaue Beschreibung der Hölle im späteren volkstümlichen Sinn. Das Buch verwendet ihn als Bildraum für Kräfte, die unter Gottes Gericht stehen und nicht unbeschränkt handeln können.
In Offenbarung 9 wird der Abgrund geöffnet, bevor die zerstörerischen Wesen erscheinen. Diese Abfolge ist bedeutungsvoll: Die Mächte treten nicht aus eigener uneingeschränkter Souveränität hervor. Ihre Handlungsmöglichkeiten sind innerhalb der Vision begrenzt. Das Buch betont wiederholt, dass die Ereignisse unter einer übergeordneten göttlichen Zulassung und Gerichtsperspektive stehen.
Abaddon verkörpert in dieser Szene daher nicht einfach das Böse als unabhängiges Gegenprinzip. Er ist vielmehr mit einer gerichtlichen Freisetzung zerstörerischer Kräfte verbunden. Die Bildsprache fordert dazu auf, die Folgen von Rebellion, Gewalt und Gottesferne ernst zu nehmen.
Gleichzeitig will die Offenbarung nicht nur Angst erzeugen. Ihre Visionen richten sich an Gemeinden, die unter Druck stehen, und stellen die Frage nach Treue, Widerstandskraft und Hoffnung. Abaddon gehört zu einer dramatischen Gerichtsszene, die in das größere Thema von Gottes Herrschaft und der endgültigen Überwindung des Bösen eingebettet ist.
Wie Abbadon mit Scheol und Tod zusammenhängt
Scheol bezeichnet in vielen alttestamentlichen Texten den Bereich der Toten. Der Begriff lässt sich nicht ohne Weiteres mit der späteren Vorstellung von Hölle gleichsetzen. Scheol ist der Ort, an den Menschen im Tod gelangen, unabhängig davon, ob die jeweilige Bibelstelle den Schwerpunkt auf Gericht, Trauer, Stille oder Vergänglichkeit legt.
Abbadon steht in mehreren Versen parallel zu Scheol. In der hebräischen Dichtung werden Begriffe häufig nebeneinandergestellt, die einen ähnlichen Gedanken aus verschiedenen Blickwinkeln ausdrücken. Wenn Scheol und Abbadon gemeinsam genannt werden, verstärkt Abbadon die Vorstellung von Verderben, Tiefe und Unzugänglichkeit.
Diese Parallelstellung erklärt, warum ältere Bibelübersetzungen Abbadon manchmal als „Verderben“ übersetzen. Der Ausdruck muss nicht zwingend einen geografisch vorgestellten Ort bezeichnen. Er kann die zerstörerische Dimension des Todes und die vollständige Auflösung menschlicher Sicherheit beschreiben.
Die Offenbarung nimmt dieses Motiv auf, verschiebt es aber in eine apokalyptische Szene. Aus dem Begriff für Verderben wird dort ein Name für den Engel, der den Abgrund beherrscht. Die Verbindung zur älteren Bedeutung bleibt durch die Namen Abaddon und Apollyon erhalten.
Welche theologischen Aussagen hinter dem Namen stehen
Abbadon macht in den biblischen Texten zunächst sichtbar, dass nichts vor Gott verborgen ist. Selbst der Bereich des Todes, der Menschen unzugänglich bleibt, liegt nach Hiob und den Sprüchen vor Gott offen. Das ist eine Aussage über Gottes Erkenntnis und Herrschaft, nicht nur über einen Ort der Strafe.
Der Begriff beschreibt außerdem die zerstörerische Seite menschlicher Wirklichkeit. Tod, Schuld, Gewalt und Vergänglichkeit sind keine oberflächlichen Störungen, sondern Mächte, die Beziehungen, Körper, Gemeinschaften und Hoffnungen beschädigen können. Die Bibel benennt diese Realität mit einer Sprache, die den Ernst des Verderbens nicht abschwächt.
In der Offenbarung erhält das Motiv eine eschatologische Dimension. Abaddon steht dort im Zusammenhang mit einer letzten oder endzeitlich geprägten Gerichtsszene. Der Text deutet an, dass zerstörerische Mächte real und furchterregend sind, aber nicht außerhalb jeder Grenze handeln. Das Verderben ist mächtig, aber nicht Gott gleichgestellt.
Für christliche Auslegung ist dieser Unterschied wesentlich. Eine dualistische Vorstellung würde Gott und das Böse als gleich starke Gegenspieler behandeln. Die biblische Darstellung tut das nicht. Abaddon gehört auch in der dramatischen Vision der Offenbarung zu einer geschaffenen und begrenzten Wirklichkeit.
Welche Fehlvorstellungen über Abbadon häufig vorkommen
Rund um den Namen haben sich durch Predigten, Literatur, Filme, Spiele und esoterische Darstellungen zahlreiche Vorstellungen entwickelt. Einige davon werden häufig mit der Bibel verbunden, sind dort aber nicht ausdrücklich belegt.
- Abaddon sei immer ein Dämon: In den Weisheitsbüchern ist Abbadon zunächst ein Begriff für Verderben oder einen Bereich des Todes.
- Abaddon sei Satan: Offenbarung 9,11 nennt den Engel des Abgrunds nicht Satan und gibt keinen direkten Grund für diese Gleichsetzung.
- Abaddon sei der Herrscher der gesamten Hölle: Die Bibel beschreibt ihn nicht als universellen König der Hölle mit einer umfassenden Verwaltung des Jenseits.
- Abaddon habe eine ausführliche Lebensgeschichte: Die biblischen Texte enthalten nur wenige Angaben und keine zusammenhängende Biografie.
- Abaddon und Apollyon seien zwei Wesen: In Offenbarung 9,11 handelt es sich um die hebräische und griechische Namensform derselben Gestalt.
- Jede Erwähnung bezeichne dieselbe Figur: Der literarische Zusammenhang entscheidet, ob Abbadon einen Bereich, eine Eigenschaft oder den Engel des Abgrunds meint.
Solche Unterscheidungen sind besonders hilfreich, wenn Sie eine Bibelstelle aus einer modernen Darstellung kennen. Populäre Medien verbinden oft verschiedene Motive, um eine klare Figur zu schaffen. Für die Auslegung der Bibel sollten dagegen Wortbedeutung, Kontext und Textgattung den Ausgangspunkt bilden.
Wie verschiedene Übersetzungen mit dem Begriff umgehen
Bibelübersetzungen müssen entscheiden, ob sie einen hebräischen Begriff beibehalten oder seine Bedeutung übertragen. Bei Abbadon ist beides möglich. Eine Übersetzung kann den Namen als Abaddon stehen lassen, damit die Verbindung zur Offenbarung sichtbar bleibt. Eine andere kann im Verszusammenhang „Verderben“ oder „Vernichtung“ schreiben.
Die Wiedergabe beeinflusst die Wahrnehmung. Bleibt der Name erhalten, vermuten Leser leicht eine eigenständige Person. Wird der Sinn übersetzt, tritt stärker hervor, dass die älteren Texte häufig eine Zustands- oder Ortsvorstellung ausdrücken.
Für eine sorgfältige Lektüre lohnt sich deshalb der Vergleich mehrerer Ausgaben. Wichtig ist nicht, dass eine Übersetzung grundsätzlich „richtig“ und alle anderen falsch sind. Entscheidend ist, ob die Übersetzung im jeweiligen Zusammenhang die sprachliche Form und die inhaltliche Funktion angemessen wiedergibt.
Was Abbadon für die persönliche Bibellektüre bedeuten kann
Die Texte über Abbadon führen zu unterschiedlichen Fragen. Die Weisheitsbücher fragen, wo menschliche Erkenntnis endet und ob der Tod vor Gott verborgen sein kann. Die Offenbarung fragt, wie zerstörerische Mächte im Gerichtsgeschehen erscheinen und welche Grenzen ihnen gesetzt sind.
Beim Lesen kann es hilfreich sein, zwischen Angstbild und theologischer Aussage zu unterscheiden. Die Texte verwenden eindringliche Bilder, um Verderben, Gericht und Tod ernst zu nehmen. Sie wollen damit nicht zwangsläufig eine detaillierte Landkarte der unsichtbaren Welt liefern.
Ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Thema hält deshalb drei Punkte zusammen: die Realität des Bösen, die Begrenztheit zerstörerischer Mächte und Gottes umfassende Kenntnis und Herrschaft. Keine dieser Aussagen sollte auf Kosten der anderen isoliert werden.
Wenn Sie die Stellen selbst lesen, beginnen Sie am besten mit dem unmittelbaren Kontext und prüfen danach die sprachliche Übersetzung. Bei Offenbarung 9 lohnt sich außerdem, die vorhergehenden und folgenden Visionen einzubeziehen. So bleibt Abaddon in dem Zusammenhang, in dem die Bibel ihn tatsächlich verwendet.
Warum der Name Abbadon bis heute wirkungsvoll bleibt
Der Name verbindet eine kurze, einprägsame Form mit einem ernsten Grundthema: Was geschieht, wenn Zerstörung über Menschen und Ordnungen gewinnt? In den Weisheitsbüchern steht die Frage im Horizont von Tod und Erkenntnis. In der Offenbarung erscheint sie im Horizont von Gericht, Macht und Endzeit.
Seine Wirkung entsteht gerade durch die begrenzten Angaben. Die Bibel erklärt Abaddon nicht in einer langen Erzählung, sondern setzt den Namen an Stellen ein, an denen Menschen mit den äußersten Grenzen ihres Lebens konfrontiert sind. Das lässt Raum für Deutung, verlangt aber zugleich Zurückhaltung bei Behauptungen, die der Text nicht selbst aufstellt.
Am sichersten lässt sich festhalten: Abbadon bedeutet mit Verderben und Zerstörung verbundene Wirklichkeit. In den Weisheitsbüchern steht der Ausdruck vor allem für den Bereich des Verderbens neben Scheol und Tod. In Offenbarung 9,11 wird daraus der Name des Engels des Abgrunds, dessen griechische Entsprechung Apollyon lautet.
Häufig gestellte Fragen
Ist Abbadon dasselbe wie Satan?
Nein. Die Bibel setzt Abaddon nicht ausdrücklich mit Satan gleich. In den Weisheitsbüchern ist Abbadon vor allem ein Ausdruck für Verderben oder den Bereich des Todes. Offenbarung 9,11 nennt Abaddon als Engel des Abgrunds und verwendet dafür auf Griechisch den Namen Apollyon. Die Gleichsetzung mit Satan stammt aus späteren Deutungen, nicht aus einer eindeutigen biblischen Aussage.
Ist die Schreibweise Abbadon oder Abaddon richtig?
Beide Schreibweisen kommen vor, doch „Abaddon“ liegt näher an der hebräischen und griechischen Überlieferung und findet sich in vielen Bibelübersetzungen. „Abbadon“ ist eine gebräuchliche Variante, besonders im Deutschen und in anderen Sprachen. Gemeint ist in der Regel derselbe biblische Begriff beziehungsweise dieselbe Gestalt in Offenbarung 9,11.
Was bedeutet Apollyon?
Apollyon ist die griechische Namensform zu Abaddon und hängt mit einem griechischen Verb für „zerstören“ oder „zugrunde richten“ zusammen. In Offenbarung 9,11 werden beide Namen für den Engel des Abgrunds genannt. Apollyon ist daher nicht ein zweiter Engel, sondern die griechische Entsprechung des hebräischen Namens Abaddon.
Kommt Abaddon nur in der Offenbarung vor?
Nein. Der Begriff erscheint bereits in mehreren alttestamentlichen Weisheitstexten, unter anderem in Hiob, den Psalmen und den Sprüchen. Dort bezeichnet er meist Verderben oder einen mit Tod und Unterwelt verbundenen Bereich. Erst in Offenbarung 9,11 wird Abaddon ausdrücklich als Name des Engels des Abgrunds verwendet.











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