predigt zu markus 7 31 37: Jesus macht Taube hörend und Sprachlose redend

Bibelkommentar
predigt zu markus 7 31 37: Jesus macht Taube hörend und Sprachlose redend
Markus 7,31-37 · Lutherbibel 1912
Markus 7,31-37 (Lutherbibel 1912)
“Und da er wieder ausging aus der Gegend von Tyrus und Sidon, kam er an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der zehn Städte. Und sie brachten zu ihm einen Tauben, der stumm war, und sie baten ihn, daß er die Hand auf ihn legte. Und er nahm ihn von dem Volk besonders und legte ihm die Finger in die Ohren und spützte und rührte seine Zunge und sah auf gen Himmel, seufzte und sprach zu ihm: Hephatha! das ist: Tu dich auf! Und alsbald taten sich seine Ohren auf, und das Band seiner Zunge war los, und er redete recht. Und er verbot ihnen, sie sollten's niemand sagen. Je mehr er aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten. Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend.”
Zwischen Tyrus, Sidon und dem „Gebiet der zehn Städte“
Markus 7,31-37 spielt sich im Grenzraum ab: Jesus kommt „aus der Gegend von Tyrus und Sidon“ und erreicht das Galiläische Meer „mitten in das Gebiet der zehn Städte“. Diese Region (oft als Dekapolis beschrieben) war kulturell durchmischter als das unmittelbare jüdische Kerngebiet. Dass Jesus dort wirkt, unterstreicht: Gottes Handeln ist nicht auf eine einzige ethnische oder religiöse „Schublade“ beschränkt.
Zugleich beschreibt Markus eine Szene, in der Menschen im Auftrag anderer handeln. Die Gefährten bringen einen „Tauben, der stumm war“ zu Jesus. In antiken Vorstellungen galten Sprach- und Hörverlust nicht nur als körperliche Einschränkung, sondern oft auch als schwer erklärbares Unheil, das das ganze soziale Leben betrifft. Wer nicht hört, kann Anweisungen nicht aufnehmen; wer nicht spricht, kann nicht verlässlich kommunizieren, nicht bitten, nicht danken.
In dieser Umgebung setzt Jesus ein sichtbares Zeichen: Er nimmt den Erkrankten „von dem Volk besonders“ mit sich. Das entspricht dem Muster, dass Heilung nicht bloß als öffentliche Sensation verstanden wird, sondern als persönliche Begegnung mit dem Heiland. Das anschließende Verbot, „niemand sagen“ sollte, passt zur Spannung im Markusevangelium: Jesus offenbart sich, aber er begrenzt die Art der Rezeption. Je mehr er warnt, desto mehr verbreitet sich die Nachricht—weil das, was geschieht, kaum in Schweigen zu halten ist.
„Hephatha“ – die Bedeutung des Rufes „Tu dich auf!“
In Markus 7,34 nennt Jesus das aramäische/zeitgenössische Wort „Hephatha!“ und erklärt es sogleich sinngemäß („das ist: Tu dich auf!“). Es geht dabei um mehr als eine allgemeine Ermutigung: Der Ruf ist ein unmittelbares Handlungswort. Die Heilung geschieht „alsbald“—also nicht nach langen Prozeduren, sondern in der souveränen Wirksamkeit von Jesu Wort.
Sprachlich ist bemerkenswert, dass Markus das Wort gerade dann festhält, wenn Jesus selbst die Übersetzung gibt. Das zeigt: Die Gemeinde soll nicht nur wissen, was geschehen ist, sondern auch, dass Gottes Macht in konkrete Situation hinein spricht. „Tu dich auf“ kann man als Öffnen von verschlossenen Zugängen verstehen—Ohren werden hörend, die Sprachfähigkeit wird gelöst. Der Ton der Szene betont Gottes Nähe: Jesus arbeitet nicht nur „von außen“, sondern ruft den Menschen dahin, wo er innerlich und äußerlich wieder erreichbar wird.
Wichtig ist zudem die Reihung der Zeichen: Blick zum Himmel, Seufzen, dann das Wort. Markus legt nahe, dass Heilung aus dem Zusammenhang mit dem Vater kommt und nicht aus bloßer Magie.
Jesus berührt persönlich: Von der Menge weg – hin zur Heilung
Die Heilung in Markus 7,31-37 beginnt nicht mit einer lautstarken Demonstration, sondern mit einer privaten Bewegung. „Und sie brachten zu ihm“ einen Tauben, „und sie baten ihn, daß er die Hand auf ihn legte.“ Schon hier zeigt sich: Heilung entsteht inmitten von Fürbitte. Andere tragen die Not vor Jesus. Das ist geistlich ein Vorbild: Glaube kann stellvertretend werden.
Bemerkenswert ist dann der Weg Jesu: Er nimmt den Betroffenen „von dem Volk besonders“ weg. Warum? Markus lässt erkennen: Der Erkrankte soll nicht im Lärm einer Menge „abgefertigt“ werden, sondern Jesus soll ihm begegnen. Das entspricht dem Wesen des Evangeliums: Gott ist nicht nur der große Problemlöser, sondern der persönliche Heiland.
Zudem verwendet Jesus konkrete Handlungen, obwohl die eigentliche Kraft im göttlichen Wort liegt: Er legt die Finger in die Ohren, spuckt, rührt seine Zunge an und sieht zum Himmel. Solche Details vermeiden jede glatte Vorstellung von „fern gesteuerter“ Macht. Jesu Heilung ist nicht abgehoben. Sie nimmt den Menschen mit Haut und Sinnen ernst.
Das schließt eine wichtige Botschaft ein: Gott begegnet dem Menschen nicht nur als Idee, sondern als konkrete Person in ihrer Begrenztheit. Wer taub ist, braucht vielleicht Ruhe; wer stumm ist, braucht vielleicht den ersten sicheren Impuls, überhaupt zu wagen, dass Worte wieder möglich sind. Jesu Vorgehen schafft genau diesen Anfang.
Schließlich steht das Seufzen Jesu im Blick zum Himmel. Dieses Seufzen klingt nicht wie Theater, sondern wie Anteilnahme. Jesus identifiziert sich mit der Not. Die Heilung ist damit nicht nur ein Naturereignis, sondern ein Erweis des Erbarmens Gottes.
Hephatha: Gottes Wort öffnet, was verschlossen war
Der eigentliche Wendepunkt liegt im Ruf Jesu: „Hephatha! das ist: Tu dich auf!“ Das Wort ist kurz, eindeutig und handlungsbestimmend. Markus zeigt: Heilung ereignet sich „alsbald“. Das betont die Wirksamkeit von Jesu Autorität. Nicht menschliche Technik, nicht soziale Überredungskraft, sondern Gottes Wort setzt den entscheidenden Impuls.
In der Szene ist außerdem die Reihenfolge wichtig: Erst werden die Sinne des Menschen berührt (Ohren, Zunge), dann wird zum Himmel geblickt und geseufzt, und dann spricht Jesus. So wird deutlich, dass Heilung nicht nur „funktioniert“, sondern auch Bedeutung hat: Gott eröffnet Kommunikation. Das Ergebnis wird ausdrücklich benannt: „Und alsbald taten sich seine Ohren auf … und das Band seiner Zunge war los, und er redete recht.“
„Recht“ bedeutet: Der Betroffene kann nicht nur irgendetwas Geräuschhaftes von sich geben, sondern verständlich sprechen. Es geht um echte Wiederherstellung von Beziehung. Denn wer sprechen kann, kann bitten, loben, erzählen, Gemeinschaft gestalten. Wer hören kann, kann Anweisungen verstehen und Antworten geben. So wird der Mensch wieder anschlussfähig.
Gleichzeitig gibt es die Spannung, die Markus bewusst setzt: Jesus „verbot ihnen, sie sollten’s niemand sagen.“ Doch „je mehr er aber verbot, je mehr sie es ausbreiteten.“ Das zeigt zwei Dinge. Erstens: Das Zeugnis wird nicht durch Menschen verhindert—Gottes Handeln drängt ans Licht. Zweitens: Jesus will offenbar verhindern, dass seine Wunder nur als Sensation konsumiert werden. Die Frage ist nicht bloß „Was kann Jesus?“, sondern „Wer ist Jesus?“
Die Schlussworte der Zuschauer bündeln die Auslegung: „Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend.“ Hier wird die Schöpfungsdimension hörbar. Jesus handelt wie der, der von Anfang an Ordnung und Fähigkeit geschaffen hat. Heilung ist damit ein Vorgeschmack auf Gottes neue Wirklichkeit.
Warum die Heilung auch für die Gemeinde heute zählt
Man könnte diese Begebenheit auf eine reine Vergangenheitstat reduzieren. Markus aber schreibt so, dass Leser darin Jesu Gegenwart erkennen. Die Tatsache, dass Menschen den Betroffenen bringen und dass Jesus ihn anspricht, macht die Geschichte zu einer Einladung: Gott ist nicht abwesend, sondern handelt.
Zugleich stellt sich die Frage: Warum sind solche Zeichen damals so sichtbar und heute oft weniger spektakulär? Die Antwort kann nicht in Spekulationen erfolgen, sondern in der biblischen Grundtendenz: Jesus ist derselbe Herr, aber das Wirken Gottes hat verschiedene Formen. Nicht jede Heilung erscheint als sofortiges Wunder, doch Gottes Aufmerksamkeit gilt dem Menschen in seiner Not.
Die Episode zeigt außerdem einen geistlichen Prozess: Erst Berührung, dann Öffnung, dann Reden. Übertragen auf das Leben der Gemeinde bedeutet das: Gott beginnt dort, wo Menschen verschlossen sind—im Hören auf Gottes Wort, im Vertrauen, im Sprechen von Hoffnung. Mancher kann innerlich „nicht sprechen“, weil Angst, Schuld oder Leid das Herz lähmen. Mancher hört Gottes Stimme nur noch als Hintergrundrauschen. Jesu „Hephatha“ kann dann als göttlicher Zuspruch verstanden werden, der neue Öffnung schenkt.
Auch das Verbot, es niemandem zu sagen, hat Parallelen im Alltag. Jesus will keine Werbung, sondern Jüngerschaft. Trotzdem lässt er Zeugnis zu: Die Menschen staunen und erzählen. Das ist geistlich sinnvoll. Es geht nicht darum, Wunder zu vermarkten, sondern um ehrliches Zeugnis: „Was Gott getan hat.“
Damit wird die Geschichte zur Ermutigung für Gebet, Geduld und Hoffnung. Gott kann Grenzen durchbrechen—physisch, seelisch und geistlich. Entscheidend ist: Der Heiland handelt persönlich, wie er dem Betroffenen begegnet ist.
So wendest du das heute an
1) Bring Not vor Jesus – auch stellvertretend. Die Freunde tragen den Tauben zu Jesus. Übernimm dieses Vorbild: bete für Menschen, die nicht „zu dir durchkommen“, die in ihrer Situation verstummen (emotional oder geistlich), und gib sie Jesus an.
2) Achte auf die persönliche Begegnung. Jesus nimmt den Betroffenen „besonders“ mit sich. Das erinnert: Glaube braucht manchmal Ruhe statt Dauer-Dröhnung. Plane bewusst Zeiten, in denen du (oder die betroffene Person) ohne Leistungsdruck vor Gott kommst—mit einem ehrlichen Gebet.
3) Bitte um „Öffnung“ statt nur um Veränderung der Umstände. „Tu dich auf!“ beschreibt, dass Zugänge wieder möglich werden: Hören, Verstehen, Antworten. Frage in deinem Gebet konkret: „Herr, öffne mir die Ohren für dein Wort“, „löse mir den Mut zum ersten ehrlichen Satz“, „nimm die Angst aus meinem Herzen“.
4) Gib Zeugnis in passender Weise. Die Leute erzählen trotz Jesu Warnung. Du musst keine Sensation machen. Aber du darfst ehrlich benennen, was du erlebt hast: Gottes Trost, Hilfe, einen Schritt nach vorn. Zeugnis ist kein PR-Trick, sondern Dank.
5) Lass dich vom Staunen leiten. „Er hat alles wohl gemacht“ ist der Ton der Zuschauer. Übe dankbares Staunen ein: auch dann, wenn nicht alles sofort sichtbar ist.
Verwandte Bibelstellen
Johannes 9,1-7
Wie dort verwendet Jesus Zeichen und führt den Menschen zur Heilung, damit Glaube entsteht und Gott erkannt wird.
Jesaja 35,5-6
Die Verheißung, dass Blinde sehen und Taube hören, findet in Jesu Wirken eine kraftvolle Erfüllung.
Markus 1,40-42
Auch hier berührt Jesus einen leidenden Menschen persönlich und zeigt: Gottes Macht ist nahe und erbarmend.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet die predigt zu markus 7 31 37 für mein Gebetsleben?
Die Stelle ermutigt, Not aktiv vor Jesus zu bringen – selbst wenn die betroffene Person nicht sprechen oder sich selbst helfen kann. Jesus handelt durch persönliche Begegnung und durch sein Wort. Deshalb darfst du Fürbitte wagen und um Öffnung bitten: für Hören, Verstehen, Mut zum Reden und gelebte Hoffnung.
Warum nimmt Jesus den Menschen „besonders“ mit weg?
Markus betont dadurch die persönliche Art der Heilung. Jesus übergibt den Betroffenen nicht einfach der Menge, sondern schafft Raum für echte Begegnung. Das lehrt: Gott wirkt nicht nur „unter Publikum“, sondern dort, wo Menschen Ruhe, Nähe und Klarheit erleben können.
Was heißt „Hephatha“ – und warum ist es so wichtig?
„Hephatha“ ist ein Handlungsruf: „Tu dich auf!“ Jesus spricht damit direkt in die verschlossene Situation hinein. Das Ergebnis ist sofort: Ohren werden hörend, die Sprache wird gelöst. Hephatha steht damit für Gottes machtvolles Öffnen, das Kommunikation und Beziehung wieder ermöglicht.
Warum verbreiten die Menschen die Nachricht, obwohl Jesus es verbietet?
Das zeigt zum einen die Wucht des Wunders: Man kann nicht einfach so weitermachen, als wäre nichts geschehen. Zum anderen wollte Jesus wohl verhindern, dass die Botschaft nur als Sensation konsumiert wird. Echte Heilung führt zu Staunen, Nachfrage und Zeugnis—im richtigen Geist.
Ein kurzes Gebet
Herr Jesus, danke, dass du dich den Menschen in ihrer Not zuwendest. Öffne unsere Ohren für dein Wort und löse das, was in uns feststeckt—Angst, Schuld, Stille und Hoffnungslosigkeit. Gib uns Mut, Fürbitte zu tun und in Dankbarkeit zu erzählen, was du tust. Lehre uns, in deinem Handeln mehr als nur ein Zeichen zu sehen: deine Gegenwart und dein Erbarmen. Amen.










