Predigt zu Lukas 22,14-20: Brot und Kelch als Geschenk des neuen Bundes

Bibelkommentar
Predigt zu Lukas 22,14-20: Brot und Kelch als Geschenk des neuen Bundes
Lukas 22,14-20 · Lutherbibel 1912
Lukas 22,14-20 (Lutherbibel 1912)
“Und da die Stunde kam, setzte er sich nieder und die zwölf Apostel mit ihm. Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlangt, dies Osterlamm mit euch zu essen, ehe denn ich leide. Denn ich sage euch, daß ich hinfort nicht mehr davon essen werde, bis daß es erfüllet werde im Reich Gottes. Und er nahm den Kelch, dankte und sprach: Nehmet ihn und teilet ihn unter euch; denn ich sage euch: Ich werde nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks, bis das Reich Gottes komme. Und er nahm das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen auch den Kelch, nach dem Abendmahl, und sprach: Das ist der Kelch, das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird.”
Passahabend: Warum das Essen in Lukas 22 so bedeutend ist
Lukas 22 beschreibt den letzten Abend Jesu mit seinen Jüngern vor seiner Verhaftung und seinem Leiden. Es ist Passazeit: ein festlich geprägter jüdischer Abend, an dem das Volk Gottes Befreiung aus Ägypten bedenkt. Das Passahlamm ist dabei mehr als bloße Tradition; es ruft die Geschichte der Rettung, die Erinnerung an Gottes Treue und die Erwartung wach, dass Gott erneut handelt.
In dieser Situation sitzt Jesus mit „den zwölf Aposteln“ zusammen. Er handelt nicht im luftleeren Raum, sondern inmitten der jüdischen Glaubenspraxis. Gleichzeitig gibt er dem Mahl eine neue Auslegung. Dass er sagt, er habe „herzlich verlangt“, dieses Osterlamm zu essen, zeigt: Jesu Leiden ist nicht überraschend oder zufällig, sondern steht im Plan Gottes. Die Wendung, er werde „hinfort nicht mehr davon essen“ bis „es erfüllet werde im Reich Gottes“, verbindet das Passah mit seiner zukünftigen Vollendung.
Auch das Teilen von Brot und Kelch ist nicht nur ein Ritualablauf. Im Hintergrund stehen Danksagung und Gemeinschaft: Man feiert zusammen, man nimmt miteinander Anteil. Genau diese Gemeinschaftlichkeit greift Jesus auf und vertieft sie: Was als Passah begonnen hat, weist nun auf Christus hin—auf sein Opfer, sein „Vergossenwerden“ und den neuen Bund, der aus seinem Leiden hervorgeht.
Biblische Sprachnuance: „Leib“ und „neues Testament“ im Blick auf den Bund
In Lukas 22 werden zentrale Aussagen in einer feierlichen, verbindlichen Sprache gesprochen. Besonders prägend sind die Worte zu Brot und Kelch: Jesus verbindet das sichtbare Zeichen mit einer geistlichen Wirklichkeit. Das betonte „für euch gegeben“ macht deutlich, dass sein Leib nicht nur „symbolisch“ steht, sondern in einer heilsgeschichtlichen Richtung: Für die Jünger geschieht Opfergabe. Ebenso ist der Kelch nicht bloß „ein Getränk“; Jesus nennt ihn den „Kelch, das neue Testament in meinem Blut“. Dabei klingt „Testament/Bund“ nach einer Beziehung, die rechtlich und rettend festgemacht wird.
Wortton und Aufbau sind dabei wichtig: Jesus spricht zuerst das Danksagen und Teilen an, dann die Deutung. So entsteht eine Abfolge von gelebtem Glauben zu verstandener Bedeutung. Es geht um Erinnerung, aber nicht nur als Wiederholung von Fakten—sondern als gegenwärtige Teilnahme am Christusgeschehen. Die Formulierung „das tut zu meinem Gedächtnis“ zeigt: Zeichen und Wort führen zusammen, damit Gottes Werk im Glauben verankert bleibt.
Die Sehnsucht Jesu: „Herzlich verlangt“ – Passah wird zum Beginn des neuen Handelns
Lukas setzt den Ton bereits mit einem inneren Motiv: „Mich hat herzlich verlangt, dies Osterlamm mit euch zu essen, ehe denn ich leide.“ Jesus beschreibt sein Handeln nicht als gezwungenes Pflichtprogramm, sondern als geplantes, liebevolles Vorwegnehmen. Seine Leidenszeit ist nahe, und doch richtet er den Blick auf Gemeinschaft, Nähe und Klarheit.
Dieses „herzlich verlangt“ ist mehr als Gefühl. Es zeigt, dass Jesus die Jünger nicht im Stich lässt, bevor die Ereignisse sich überschlagen. Stattdessen führt er sie in eine geistliche Deutung hinein, damit sie später verstehen, was damals geschah. Gerade Lukas legt Wert darauf, dass Jesus seinen Weg bewusst geht: Er „setzt“ sich mit den Zwölf nieder—kein Zufallsort, sondern ein geordneter Rahmen.
Auch die Aussage „ehe denn ich leide“ markiert eine Reihenfolge. Zuerst gibt Jesus sich in besonderer Weise zu erkennen, dann kommt das Leiden. Das ist tröstlich: Christi Opfer ist nicht nur etwas Vergangenes, sondern eine von Gott bestimmte Wirklichkeit, in die man hineingenommen wird. Das „Osterlamm“ ruft Erinnerung an Befreiung hervor; Jesus macht daraus eine Christusdeutung. Er ist die Erfüllung des Bildes.
Schließlich nennt Jesus einen Zielhorizont: Er werde „hinfort nicht mehr davon essen“, bis „es erfüllet werde im Reich Gottes“. Das ist eine Hoffnungsaussage. Der Abendmahlsgottesdienst endet nicht beim Schmerz; er weist auf Gottes kommende Vollendung. So steht die Gegenwart des Leidens unter einem größeren Licht: Gottes Reich kommt, und das, was jetzt im Glauben gefeiert wird, wird später sichtbar vollendet.
Brot und Dank: Wie Gottes Handeln im Teilen sichtbar wird
Im nächsten Schritt zeigt Lukas eine klare Abfolge: Jesus „nahm den Kelch, dankte“, dann spricht er, und später „nahm das Brot, dankte und brach's“. Das Motiv „dankte“ ist dabei kein Nebenaspekt. Es lehrt, wie der Glaube mit dem Schicksal umgehen kann, das vor der Tür steht. Jesus nimmt das Schwerste nicht ohne Anbetung in die Hand. Selbst wenn der Weg zum Leiden führt, beginnt er mit Dank.
Das Brechen des Brotes hat außerdem eine gemeinschaftsstiftende Bedeutung. Brot wurde im Alltag geteilt; das Teilen ist greifbar. Jesus macht daraus ein Zeichen der Hingabe. Er gibt das Brot den Jüngern und sagt: „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis.“ In dieser Aussage treffen zwei Ebenen zusammen: Das Zeichen (Brot) und die Gabe (sein Leib). „Für euch gegeben“ bringt die Richtung der Selbsthingabe klar zum Ausdruck—nicht gegen euch, nicht über euch hinweg, sondern für sie.
„Gedächtnis“ darf dabei nicht als bloßes Kopieren von Worten verstanden werden. In der biblischen Denkweise ist „Gedächtnis“ oft ein aktives Vergegenwärtigen: Man erinnert nicht nur innerlich, sondern richtet den Blick neu aus, sodass Gottes Tat wieder Bedeutung im Alltag bekommt. Wenn Jesus sagt „das tut zu meinem Gedächtnis“, bindet er die Gemeinde an sein Werk. Sie soll es nicht vergessen, sondern an ihm festhalten.
Damit wird auch die Jüngerperspektive gestärkt. Vor der Krise kann man sich leicht auf Angst oder Loyalitätszweifel konzentrieren. Der Abend wird jedoch zum Ort der Orientierung: Jesus setzt Zeichen, die später tragen. So wird Brot zum geistlichen Anker: nicht um Leid kleinzureden, sondern um es in Christi Hingabe einzuordnen.
Der Kelch des neuen Bundes: Vergossen „für euch“ und die Erwartung des Reiches
Nachdem Jesus vom Brot gesprochen hat, geht die Deutung weiter mit dem Kelch: „Desgleichen auch den Kelch, nach dem Abendmahl, und sprach: Das ist der Kelch, das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird.“ Hier verdichtet sich das Geschehen. Es geht um Blut, Bund und Zusage.
Wenn Jesus „mein Blut“ erwähnt, spricht er in heilsgeschichtlicher Sprache von seinem Opfer. Blut steht im Alten Testament häufig für Leben, das hingegeben wird. Der Ausdruck „vergossen“ unterstreicht: Es ist keine abstrakte Idee, sondern eine real vollzogene Hingabe. Das „für euch“ bleibt dabei zentral. Es ist erstaunlich, wie oft Jesus diese Für-wen-Aussage im Abendmahl anbringt. Der Nutzen seines Leidens wird nicht „irgendwem“ zugeschrieben, sondern konkret den Jüngern—und in der Folge der Gemeinde, die sich von diesem Wort leiten lässt.
„Das neue Testament“ ist zugleich mehr als ein Sprachbild. Es weist auf eine Erneuerung des Bundes hin: Gott handelt neu, und der Mensch bekommt Anteil an dieser neuen Beziehung. Wo der alte Bund auf Gehorsam und Prüfung hinweist, ruft das Abendmahl zur Antwort des Glaubens auf: Vertrauen, Gemeinschaft und Dank.
Das Wort „bis das Reich Gottes komme“ (bereits zuvor im Abschnitt genannt) hält den Horizont offen. Abendmahl ist nicht nur Rückblick auf Vergangenheit; es ist auch Ausblick auf Zukunft. Das macht das Abendmahl zu einer Feier in Spannung: Gegenwart im Glauben, Erwartung in Hoffnung, und Trost im Leiden.
So wird der Kelch zum Signal: Jesus sammelt seine Leute in Gottes neue Wirklichkeit hinein. Wer den Kelch empfängt, bekennt damit: Christi Opfer trägt, Christi Bund gilt, Christi Wiederkunft wird erwartet.
Gedächtnis, Gemeinschaft und Hoffnung: Was Jesus mit der Feier bezweckt
Lukas 22,14-20 zeigt, dass das Abendmahl nicht isoliert als religiöses Beiwerk verstanden werden kann. Es ist eingebettet in Christi Weg, in seine Worte und in das gemeinsame Handeln mit den Zwölfen.
Zuerst ist da das geordnete Miteinander: Jesus „setzt“ sich und die Jünger sitzen mit ihm. Das betont Würde und Intimität: Nicht ein Publikum, sondern eine Herde. Dann kommt die Danksagung: Jesus dankt, bevor er Brot und Kelch deutet. Das lehrt, dass die Gemeinde ihre Gottesbeziehung nicht ohne Anbetung praktiziert.
Darauf folgen die Deuteworte. Sie schaffen eine Wiedererkennungslogik: Wer später zurückschaut, soll verstehen, dass in Brot und Kelch Christus selbst in seiner Hingabe gegenwärtig gemeint ist. Der Auftrag „das tut zu meinem Gedächtnis“ ordnet die Feier dauerhaft in die Geschichte hinein: Die Jünger sind nicht nur Zuschauer des Abendmahls, sondern Träger einer Erinnerung, die die Gemeinde weiterführt.
Gleichzeitig wirkt die Feier als Vorbereitung. Der Abend endet nicht im Schweigen über die Gefahr; er umfasst den Weg zum Leiden. Weil Jesus deutet, können die Jünger später bekennen, dass Gottes Handeln in Christus nicht gescheitert ist. Das Gedächtnis wird so zu einem geistlichen Schutz: Es verhindert, dass Angst die Deutung übernimmt.
Schließlich ist da die Hoffnung. Das Reich Gottes ist die letzte Richtung. Abendmahl lebt aus der Spannung zwischen „schon jetzt“ und „noch nicht“. Die Gemeinde feiert, weil Christus gekommen ist; sie erwartet, weil Christus wiederkommen wird. Genau so wird aus einer Abschiedszeit eine Segenszeit: Gemeinschaft, Hingabe und Hoffnung werden zu einer Stimme, die durch Generationen klingt.
So wendest du das heute an: Dank, Hingabe und echtes „Gedächtnis“
Lukas 22,14-20 lädt dazu ein, das Abendmahl nicht nur als Tradition zu sehen, sondern als gelebte Antwort auf Gottes Liebe in Christus. Praktisch heißt das: Geh mit Dank in den Gottesdienst, statt nur mit Fragen oder Sorgen zu kommen. Jesus beginnt mit „dankte“—das darf deine Haltung prägen.
Zweitens: Übe „Gedächtnis“ als Neuorientierung. Wenn du Brot und Kelch empfängst (oder die Worte beim Gottesdienst hörst), frage dich: „Was bedeutet es heute für mich, dass Christi Leib für mich gegeben ist?“ und „Worin vertraue ich darauf, dass sein Blut den neuen Bund begründet?“ Damit wird die Feier zu einem geistlichen Reset.
Drittens: Lass das „für euch“ konkret werden. Abendmahl ist Gemeinschaft am gekreuzigten Christus—daher sollte sich das auch in Beziehungen zeigen. Prüfe, ob du jemanden ausgrenzt, verletzt oder kalt geworden bist. Der Bund Gottes zielt auf Versöhnung und Einheit.
Viertens: Verbinde Gegenwart und Hoffnung. Wenn du merkst, dass Leiden dich bedrückt, halte den Blick auf das Reich Gottes: Die Feier erinnert nicht nur an das Kreuz, sondern kündigt Gottes endgültige Vollendung an. So wird Abendmahl zu einem Ort, an dem Glaube gestärkt wird, bis Gottes Reich ganz da ist.
Verwandte Bibelstellen
1. Korinther 11,23-26
Paulus erklärt den Abendmahlsgedanken ausdrücklich mit Blick auf Jesu Worte und den Auftrag zum Gedächtnis.
2. Mose 12,1-14
Das Passah wird als Grundlage des Osterlamm-Kontexts beschrieben und hilft, Jesu Deutung in Lukas 22 zu verstehen.
Hebräer 9,15-22
Der Abschnitt über den neuen Bund greift die Bedeutung von Blut und Bundessinn auf.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet die „predigt zu lukas 22 14-20“ für mein Verständnis vom Abendmahl?
Lukas zeigt, dass Abendmahl mehr ist als Erinnerung an ein Ereignis. Jesus verbindet Brot und Kelch mit seiner Hingabe: Sein Leib ist für euch gegeben, der Kelch steht für den neuen Bund in seinem Blut. Dadurch wird die Feier zu gelebtem Glauben und zu Hoffnung auf Gottes Reich.
Warum nennt Jesus das Passah „bis es erfüllet werde im Reich Gottes“?
Jesus verknüpft das bekannte Fest mit einer zukünftigen Erfüllung. Das Mahl in der Gegenwart hat einen Zielhorizont: Gottes Reich kommt. Darum ist Abendmahl nicht nur Rückschau, sondern auch Ausblick—Trost für die Gegenwart und Hoffnung für die Zukunft.
Welche Rolle spielt das Danken in Lukas 22,14-20?
Das Danken steht im Zentrum der Handlung Jesu. Obwohl das Leiden unmittelbar bevorsteht, richtet er den Blick auf Gott. Für die Gemeinde bedeutet das: Auch in schweren Zeiten darf Dank zu einem geistlichen Fundament werden. Abendmahl wird dadurch zu Anbetung, nicht nur zu Routine.
Wie kann ich „das tut zu meinem Gedächtnis“ praktisch umsetzen?
Praktisch heißt das: Bewusst an Christi Hingabe denken, statt automatisch nur „mitzugehen“. Untersuche dein Herz, vertraue neu auf den neuen Bund in seinem Blut und bringe die Beziehung zu anderen in Ordnung. So wird Gedächtnis zu einer lebendigen Antwort.
Ein kurzes Gebet
Herr Jesus, wir danken dir für dein Wort in Lukas 22, dass du Brot und Kelch gedeutet hast und uns an deinem neuen Bund teilhaben lässt. Stärke unseren Glauben, wenn wir uns nach Frieden sehnen, und lehre uns, in allem zu dir zu beten. Mach unser „Gedächtnis“ lebendig—nicht nur im Kopf, sondern im Herzen. Lass uns als deine Gemeinde in Dank und Hoffnung zusammenstehen, bis dein Reich vollendet kommt. Amen.








