Predigt zu Genesis 1,27: Geschaffen zum Bilde Gottes

Predigt zu Genesis 1,27: Geschaffen zum Bilde Gottes
Kurz gesagt: In 1. Mose 1,27 zeigt Gott, dass der Mensch aus seiner Schöpferliebe kommt: „zum Bilde Gottes“. Die Würde jedes Menschen wurzelt nicht in Leistung, Herkunft oder Aussehen, sondern darin, dass Gott den Menschen kenntlich macht. Zugleich wird die Einheit der Menschheit betont: Gott schuf den Menschen als Mann und als Weib.

1. Mose 1,27 (Lutherbibel 1912)

“Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib.”

Schöpfungsordnung: Bildsprache statt Selbstvergottung

Der Schöpfungsbericht in 1. Mose 1 stellt Menschen in eine klare Ordnung: Gott ist der Schöpfer, die Welt ist gut geschaffen, und der Mensch hat eine besondere Stellung. In einer Umwelt, in der viele Völker Welt und Menschheit oft durch Mythen erklärten, betont die biblische Darstellung: Nicht Zufall, nicht Götterstreit, sondern der eine Gott spricht und schafft. Sein Wort ruft ins Dasein, und das Ergebnis ist geordnet und lebensdienlich.

1. Mose 1,27 setzt dabei einen besonderen Akzent: Der Mensch ist „zum Bilde Gottes“ geschaffen. Das ist nicht als menschliche Überheblichkeit zu verstehen, als könnte der Mensch Gott ersetzen. Die „Bild“-Sprache verweist auf eine von Gott verliehene Bestimmung: Der Mensch soll Gottes Herrschaftsauftrag im Alltag widerspiegeln—nicht als Tyrann, sondern als verantwortlicher Verwalter. Außerdem begegnen wir der Betonung der Einheit bei gleichzeitiger Differenz: „Mann und Weib“. In vielen Kulturen wurden Rollen häufig gegensätzlich oder hierarchisch begründet; die Genesis dagegen verortet beides in demselben schöpferlichen Ursprung.

So steht diese Aussage im Rahmen der Schöpfungslogik: Weil Gott den Menschen als sein Bild geschaffen hat, besitzt jeder Mensch eine unantastbare Würde. Der Text nimmt damit sowohl der Entwürdigung als auch der Vergötzung des Menschen den Boden.

Hebräisch in „zum Bilde“: Ebenbildlichkeit als Auftrag

In 1. Mose 1,27 drückt der Ausdruck „zum Bilde“ eine bildhafte Beziehung aus. Im Hebräischen geht es um eine Darstellung/Abbildung im weiteren Sinn: Der Mensch trägt—in einer von Gott gewollten Weise—etwas von Gottes Wesensabsicht an sich. Wichtig ist, dass diese Sprache nicht bedeutet, der Mensch sei in jeder Hinsicht wie Gott. Vielmehr beschreibt sie eine von Gott verliehene Stellung und einen Auftrag: Der Mensch soll Gottes Eigenschaften in seinem Handeln widerspiegeln, besonders in seinem Umgang mit der Schöpfung und mit Mitmenschen.

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Die zweite Nuance liegt in der Formulierung „ihm zum Bilde“: Der Ursprung liegt in Gott. Das „Bild“ ist damit nicht das Ergebnis menschlicher Fähigkeiten, sondern Geschenk und Berufung. Die Aussage „er schuf sie“ verdeutlicht die Gesamtheit der menschlichen Geschlechter im gemeinsamen Schöpfungswillen Gottes. Damit spricht der Text sowohl Würde als auch Verantwortung an—und verhindert, dass die Ebenbildlichkeit auf einen einzelnen Aspekt reduziert wird.

Gottes Bild: Würde, die vor jeder Leistung gilt

1. Mose 1,27 ist ein Gegenpol zu allen Erklärungen, die den Menschen nur nach Nützlichkeit oder Status bewerten. Der Vers sagt: Gott schuf den Menschen „ihm zum Bilde“. Das bedeutet: Der Mensch ist nicht nur Objekt der Natur oder Produkt biologischer Zufälle, sondern Subjekt vor Gott. Diese Würde ist Geschenk—und gerade deshalb zeitlos.

„Zum Bilde Gottes“ lässt sich in der Andacht leicht sentimental machen, als ginge es nur um ein gutes Gefühl. Doch der Text ist klar praktisch: Ein Bild ist etwas, das erkennbar machen soll. Wenn der Mensch Gottes Bild trägt, dann wird sichtbar, wie Gott mit seiner Schöpfung handelt: gerecht, liebevoll, ordnend, lebensfördernd. Der Mensch ist daher zu verantwortlichem Handeln berufen—besonders dort, wo Macht aufeinandertrifft. Gottes Bild im Menschen begründet, warum Unrecht nicht „normal“ sein kann: Wer den Menschen entwürdigt, greift Gottes Gabe an.

Gleichzeitig schützt diese Aussage vor einem anderen Extrem: Sie hebt den Menschen nicht in den Status eines Gottes. Der Mensch bleibt Geschöpf. Ebenbildlichkeit heißt nicht Gleichheit in der Göttlichkeit, sondern eine Beziehung und Bestimmung: Gott gibt dem Menschen eine Aufgabe, nicht die Identität eines Absoluten.

In einer Welt, die Identität oft über Konsum, Körperbilder oder Karriere definiert, wird die Botschaft von 1. Mose 1,27 radikal: Du bist wertvoll, weil Gott dich geschaffen hat. Das gibt Halt bei Krankheit, bei Schwäche, bei Umbrüchen. Es fordert aber auch Mut zum Widerspruch: Wo Menschen reduziert werden—auf Herkunft, Geschlecht, Aussehen oder Meinung—da erinnert Gott an seinen Bildauftrag.

So ist dieser Vers nicht nur Lehre, sondern Trost und Anleitung zugleich: Würde empfangen und Würde weitergeben.

Mann und Weib: Einheit der Menschheit in echter Verschiedenheit

Die zweite Hälfte des Verses vertieft die Schöpfungsidee. Gott schuf den Menschen „einen Mann und ein Weib“. Diese Formulierung ist bemerkenswert, weil sie beides zusammenhält: die gemeinsame Menschheit und die geschlechtliche Differenz. Beides stammt aus dem einen Schöpferwillen Gottes.

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Zunächst: „einen Mann und ein Weib“ verweist auf die Einheit des Menschen als Gattung. Das bedeutet: Nicht „ein Geschlecht“ ist voll menschlich und das andere nur eine Abweichung. Beide Geschlechter sind Teil der göttlichen Schöpfungsaussage. Damit wird der Versuch zurückgewiesen, die Menschlichkeit an eine Gruppe zu koppeln oder andere Menschen ideologisch abzuwerten.

Zugleich enthält die Aussage „Mann und Weib“ eine legitime Verschiedenheit. Unterschiede sind in der Bibel nicht zufällige Begleiterscheinungen, sondern gehören zur Schöpfungsordnung. Wichtig ist: Diese Ordnung ist nicht als starres Schicksal zu lesen, das jede Freiheit erstickt. Sie beschreibt eine Grundstruktur des menschlichen Lebens, die Gott bewusst gestaltet hat—mit Konsequenzen für Beziehung, Familienleben und Verantwortung.

In der praktischen Anwendung zeigt sich hier ein sensibles Thema: Wie gehen Menschen miteinander um, wenn es Unterschiede gibt? 1. Mose 1,27 legt eine gemeinsame Würde zugrunde, bevor man über Rollen diskutiert. Weil beide Gottes Bild tragen, entsteht Respekt nicht als „Toleranz von oben“, sondern als Anerkennung von Gottes Schöpfungswillen.

Auch theologisch wirkt diese Aussage: Wer die Bildlichkeit Gottes im Menschen ernst nimmt, kann nicht gleichzeitig Menschen verachten oder aufspalten. Die Differenz darf Raum für Vielfalt eröffnen, aber sie darf niemals zur Entwürdigung führen.

So bleibt Genesis 1,27 eine klare Weichenstellung: Einheit in der Würde, Verschiedenheit in der Ausgestaltung—und beides getragen vom Schöpfungshandeln Gottes.

So wendest du das heute an: Würde leben, Grenzen achten

Nimm 1. Mose 1,27 als „Würde-Brille“ für deinen Alltag. Erstens: Starte mit Selbstannahme aus dem Evangelium heraus. Wenn Gott dich zum Bilde Gottes geschaffen hat, ist dein Wert nicht verhandelbar. Das heißt nicht, dass Charakterfehler egal sind—aber es bedeutet: Deine Identität ist nicht nur das, was du leistest oder wie du dich fühlst.

Zweitens: Übe Menschenwürde aktiv. Behandle Menschen so, dass ihre Bildlichkeit sichtbar wird—durch respektvolle Sprache, durch fairness im Umgang, durch die Entscheidung, nicht zu mobben, nicht zu entmenschlichen, nicht zu „objektivieren“. Gerade in sozialen Medien zeigt sich, wie schnell Menschen zu Profilen werden. Frage dich: Würde ich das Gleiche auch einem Menschen sagen, dessen Würde ich wirklich aus Gottes Hand erkenne?

Drittens: Achte auf Beziehungen. „Mann und Weib“ erinnert daran, dass Unterschiedlichkeit zum Schöpfungsplan gehört. Nutze das in deiner Familie, Partnerschaft und Gemeinde: Höre zu, beteilige beide Seiten, suche den Frieden statt das Gewinnen. Wo es Spannungen gibt, lass nicht die Kultur die letzte Autorität sein, sondern Gottes Ordnung der Würde.

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Viertens: Plane Taten der Verantwortung. Ebenbildlichkeit ist nicht nur Gefühl, sondern Auftrag. Engagiere dich für Schwache, unterstütze Menschen in Not, übernimm Verantwortung in der Gemeinde oder im Alltag. So wird Gottes Bild im Menschen praktisch erkennbar.

Wenn du so lebst, wird aus einem Vers eine tägliche Entscheidung: Gott gibt Würde—du trägst sie weiter.

Verwandte Bibelstellen

1. Mose 9,6

Dieser Vers begründet das Verbot von Mord ausdrücklich mit der Tatsache, dass der Mensch „nach Gottes Bild“ geschaffen ist.

Jakobus 3,9

Jakobus warnt davor, Menschen zu verspotten oder zu entwürdigen, weil wir sie mit Gottes Bild verbinden.

Kolosser 3,10

Paulus greift die Bildsprache auf und spricht von Erneuerung, die dem wahren Wesen nach mit Gott zusammenhängt.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet „zum Bilde Gottes“ in der predigt zu genesis 1 27?

„Zum Bilde Gottes“ bedeutet: Der Mensch trägt eine von Gott verliehene Würde und Bestimmung. Er ist Geschöpf mit Verantwortung—nicht Gott selbst. Diese Ebenbildlichkeit soll sich im Handeln zeigen, besonders im Umgang mit der Schöpfung und mit Mitmenschen.

Warum erwähnt 1. Mose 1,27 „Mann und Weib“ so deutlich?

Weil Gott die gemeinsame Menschheit und die geschlechtliche Differenz gleichzeitig schafft. Beide Geschlechter gehören zum schöpferischen Willen Gottes. So wird Würde nicht an eine Gruppe gebunden, und Unterschiede dürfen als Teil der Ordnung betrachtet werden.

Ist die Ebenbildlichkeit Gottes im Menschen etwas, das wir erarbeiten?

Nein. Der Vers sagt, Gott schuf den Menschen „ihm zum Bilde“. Ebenbildlichkeit ist zuerst Geschenk und Berufung. Natürlich folgt daraus Verantwortung: Wer die Gabe erkennt, wird anders leben wollen—aber der Ursprung bleibt Gottes Schöpfungstat.

Wie hilft die Botschaft der Genesis gegen Entwürdigung oder Menschenfeindlichkeit?

Wenn Menschen Gottes Bild tragen, darf man sie nicht auf Funktion, Herkunft oder Meinung reduzieren. 1. Mose 1,27 schafft geistliche Leitplanken: Respekt, Barmherzigkeit und Fairness sind keine Option, sondern Antwort auf Gottes Schöpfungswürde.

Ein kurzes Gebet

Gott, Schöpfer aller Dinge, wir danken dir, dass du den Menschen zum Bilde Gottes geschaffen hast. Lass uns unsere eigene Würde nicht vergessen und die Würde anderer schützen. Stärke in uns Respekt, Demut und Verantwortung—im Gespräch, in Beziehungen und im Umgang mit der Schöpfung. Zeige uns, wie wir deinen Auftrag im Alltag leben können. Amen.

Kernaussage: Der Mensch hat unantastbare Würde, weil Gott ihn zum Bilde schafft—darum müssen wir Menschen respektvoll, verantwortungsvoll und gerecht behandeln.
Subir