Kommentar zu 2 könige 23: Josias Bundestreue und Gottes Gericht

Bibelkommentar
Kommentar zu 2 könige 23: Josias Bundestreue und Gottes Gericht
2. Könige 23 · Lutherbibel 1912
2. Könige 23 (Lutherbibel 1912)
“Und der König sandte hin, und es versammelten sich zu ihm alle Ältesten in Juda und Jerusalem. Und der König ging hinauf ins Haus des HERRN und alle Männer von Juda und alle Einwohner von Jerusalem mit ihm, Priester und Propheten, und alles Volk, klein und groß; und man las vor ihren Ohren alle Worte aus dem Buch des Bundes, das im Hause des HERRN gefunden war. Und der König trat an die Säule und machte einen Bund vor dem HERRN, daß sie sollten wandeln dem HERRN nach und halten seine Gebote, Zeugnisse und Rechte von ganzem Herzen und von ganzer Seele, daß sie aufrichteten die Worte dieses Bundes, die geschrieben standen in diesem Buch. Und alles Volk trat in den Bund. Und der König gebot dem Hohenpriester Hilkia und den nächsten Priestern nach ihm und den Hütern an der Schwelle, daß sie sollten aus dem Tempel des HERRN tun alle Geräte, die dem Baal und der Aschera und allem Heer des Himmels gemacht waren. Und sie verbrannten sie außen vor Jerusalem im Tal Kidron, und ihr Staub ward getragen gen Beth-El. Und er tat ab die Götzenpfaffen, welche die Könige Juda's hatten eingesetzt, zu räuchern auf den Höhen in den Städten Juda's und um Jerusalem her, auch die Räucherer des Baal und der Sonne und des Mondes und der Planeten und alles Heeres am Himmel. Und ließ das Ascherabild aus dem Hause des HERRN führen hinaus vor Jerusalem an den Bach Kidron und verbrannte es am Bach Kidron und machte es zu Staub und man warf den Staub auf die Gräber der gemeinen Leute. Und er brach ab die Häuser der Hurer, die an dem Hause des HERRN waren, darin die Weiber wirkten Häuser für die Aschera. Und ließ kommen alle Priester aus den Städten Juda's und verunreinigte die Höhen, da die Priester räucherten, von Geba an bis gen Beer-Seba, und brach ab die Höhen an den Toren, die an der Tür des Tors Josuas, des Stadtvogts, waren und zur Linken, wenn man zum Tor der Stadt geht. Doch durften die Priester der Höhen nicht opfern auf dem Altar des HERRN zu Jerusalem, sondern aßen ungesäuertes Brot unter ihren Brüdern. Er verunreinigte auch das Topheth im Tal der Kinder Hinnom, daß niemand seinen Sohn oder seine Tochter dem Moloch durchs Feuer ließ gehen. Und tat ab die Rosse, welche die Könige Juda's hatten der Sonne gesetzt am Eingang des Hauses des HERRN, an der Kammer Nethan-Melechs, des Kämmerers, die im Parwarim war; und die Wagen der Sonne verbrannte er mit Feuer. Und die Altäre auf dem Dach, dem Söller des Ahas, die die Könige Juda's gemacht hatten, und die Altäre, die Manasse gemacht hatte in den zwei Höfen des Hauses des HERRN, brach der König ab, und lief von dannen und warf ihren Staub in den Bach Kidron. Auch die Höhen, die vor Jerusalem waren, zur Rechten am Berge des Verderbens, die Salomo, der König Israels, gebaut hatte der Asthoreth, dem Greuel von Sidon, und Kamos, ,dem Greuel von Moab, und Milkom, dem Greuel der Kinder Ammon, verunreinigte der König, und zerbrach die Säulen und rottete aus die Ascherabilder und füllte ihre Stätte mit Menschenknochen. Auch den Altar zu Beth-El, die Höhe, die Jerobeam gemacht hatte, der Sohn Nebats, der Israel sündigen machte, denselben Altar brach er ab und die Höhe und verbrannte die Höhe und machte sie zu Staub und verbrannte das Ascherabild. Und Josia wandte sich und sah die Gräber, die da waren auf dem Berge, und sandte hin und ließ die Knochen aus den Gräbern holen und verbrannte sie auf dem Altar und verunreinigte ihn nach dem Wort des HERRN, das der Mann Gottes ausgerufen hatte, der solches ausrief. Und er sprach: Was ist das für ein Grabmal, das ich sehe? Und die Leute in der Stadt sprachen zu ihm: Es ist das Grab des Mannes Gottes, der von Juda kam und rief solches aus, das du getan hast wider den Altar zu Beth-El. Und er sprach: Laßt ihn liegen; niemand bewege seine Gebeine! Also wurden seine Gebeine errettet mit den Gebeinen des Propheten, der von Samaria gekommen war. Er tat auch weg alle Häuser der Höhen in den Städten Samarias, welche die Könige Israel gemacht hatten, (den HERRN) zu erzürnen, und tat mit ihnen ganz wie er zu Beth-El getan hatte. Und er opferte alle Priester der Höhen, die daselbst waren, auf den Altären und verbrannte also Menschengebeine darauf und kam wieder gen Jerusalem. Und der König gebot dem Volk und sprach: Haltet dem HERRN, eurem Gott, Passah, wie es geschrieben steht in diesem Buch des Bundes! Denn es war kein Passah so gehalten wie dieses von der Richter Zeit an, die Israel gerichtet haben, und in allen Zeiten der Könige Israels und der Könige Juda's; sondern im achtzehnten Jahr des Königs Josia ward dieses Passah gehalten dem HERRN zu Jerusalem. Auch fegte Josia aus alle Wahrsager, Zeichendeuter, Bilder und Götzen und alle Greuel, die im Lande Juda und zu Jerusalem gesehen wurden, auf daß er aufrichtete die Worte des Gesetzes, die geschrieben standen im Buch, das Hilkia, der Priester, fand im Hause des HERRN. Seinesgleichen war vor ihm kein König gewesen, der so von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften sich zum HERRN bekehrte nach allem Gesetz Mose's; und nach ihm kam seinesgleichen nicht auf. Doch kehrte sich der Herr nicht von dem Grimm seines Zorns, mit dem er über Juda erzürnt war um all der Reizungen willen, durch die ihn Manasse gereizt hatte. Und der HERR sprach: Ich will Juda auch von meinem Angesicht tun, wie ich Israel weggetan habe, und will diese Stadt verwerfen, die ich erwählt hatte, Jerusalem, und das Haus, davon ich gesagt habe: Mein Namen soll daselbst sein. Was aber mehr von Josia zu sagen ist und alles, was er getan hat, siehe, das ist geschrieben in der Chronik der Könige Juda's. Zu seiner Zeit zog Pharao Necho, der König in Ägypten, herauf wider den König von Assyrien an das Wasser Euphrat. Aber der König Josia zog ihm entgegen und starb zu Megiddo, da er ihn gesehen hatte. Und seine Knechte führten ihn tot von Megiddo und brachten ihn gen Jerusalem und begruben ihn in seinem Grabe. Und das Volk im Lande nahm Joahas, den Sohn Josias, und salbten ihn und machten ihn zum König an seines Vaters Statt. Dreiundzwanzig Jahre war Joahas alt, da er König ward, und regierte drei Monate zu Jerusalem. Seine Mutter hieß Hamutal, eine Tochter Jeremia's von Libna. Und er tat, was dem HERRN übel gefiel, wie seine Väter getan hatten. Aber Pharao Necho legte ihn ins Gefängnis zu Ribla im Lande Hamath, daß er nicht regieren sollte in Jerusalem, und legte eine Schatzung aufs Land: hundert Zentner Silber und einen Zentner Gold. Und Pharao Necho machte zum König Eljakim, den Sohn Josias, anstatt seines Vaters Josia und wandte seinen Namen in Jojakim. Aber Joahas nahm er und brachte ihn nach Ägypten; daselbst starb er. Und Jojakim gab das Silber und das Gold Pharao. Doch schätzte er das Land, daß es solches Silber gäbe nach Befehl Pharaos; einen jeglichen nach seinem Vermögen schätzte er am Silber und Gold unter dem Volk im Lande, daß er es dem Pharao Necho gäbe. Fünfundzwanzig Jahre alt war Jojakim, da er König ward, und regierte elf Jahre zu Jerusalem. Seine Mutter hieß Sebuda, eine Tochter Pedajas von Ruma. Und er tat, was dem HERRN übel gefiel, wie seine Väter getan hatten.”
Reformzeit im Schatten früherer Verirrungen
Zur Zeit Josias war Juda politisch und geistlich stark unter Druck. Das Land hatte in den Jahrzehnten zuvor immer wieder zwischen Gottesdienst und Götzendienst geschwankt. Zwar gab es Phasen der Rückbesinnung, aber die tieferen Ursachen der Entfremdung – eine verinnerlichte Ablehnung von Gottes Wort – waren nicht verschwunden. Genau deshalb wirkt Josias Handeln in 2. Könige 23 so eindrücklich: Es beginnt nicht mit Stimmung oder Symbolpolitik, sondern mit dem Lesen „aller Worte aus dem Buch des Bundes“, das im Tempel gefunden wurde. Damit steht der Maßstab fest: Nicht Traditionen oder königliche Vorlieben entscheiden, sondern Gottes Gebote, Zeugnisse und Rechte.
Kulturell ist dabei wichtig, dass religiöse Praxis im Alten Israel mehr als „Privatfrömmigkeit“ war. Opfer, Rauchwerk, Altäre und kultische Räume prägten Identität, Gemeinschaft und öffentliche Ordnung. Josia greift daher gezielt ein: Er lässt Dinge entfernen, die dem Baal, der Aschera und „allem Heer des Himmels“ dienten, und er verunreinigt Orte, an denen Priester auf Höhen räucherten. Auch die Maßnahmen, die unrein machen oder zerstören, zeigen: Reform bedeutet hier Umkehr mit Konsequenzen.
Gleichzeitig macht der Text deutlich, dass selbst eine echte Wiederherstellung von Gottes Ordnung nicht automatisch den Lauf der Folgen aufhebt. Der letzte Teil nennt, dass der HERR Juda trotz allem nicht vom Gericht abwendet. Josias Reform ist echt und lobenswert, aber das Gericht spiegelt die Langzeitgeschichte des Ungehorsams wider.
Das „Buch des Bundes“ und der Ton von Verpflichtung
In dieser Passage steht das „Buch des Bundes“ im Zentrum. Sprachlich geht es dabei nicht nur um Informationen, sondern um vertragliche Bindung und Gehorsamsanspruch. Das Wortfeld, das mit „Bund“ verbunden ist, trägt die Idee von gegenseitiger Verpflichtung: Gott gibt Weisung, und das Volk antwortet mit Leben nach dieser Weisung. Im Verlauf des Kapitels wird sichtbar, wie sehr Josia diese Bindung als etwas versteht, das öffentlich und umfassend gelebt werden muss.
Der Text betont außerdem „Gebote“, „Zeugnisse“ und „Rechte“ – unterschiedliche Nuancen von Gottes Willen. „Gebote“ klingen nach konkreten Handlungsanweisungen, „Zeugnisse“ nach Gottes offenbartem Charakter und Willen, und „Rechte“ nach verbindlichen Ordnungen für ein gerechtes Leben vor Gott. Dadurch wird klar: Es geht nicht um einzelne Reformpunkte, sondern um eine ganzheitliche Ausrichtung „von ganzem Herzen“ und „ganzer Seele“.
Theologisch prägt das die Leserschaft: Gottes Wort ist nicht Dekoration, sondern Maßstab, der Entscheidungen im Alltag, im Gottesdienst und in der Gesellschaft steuert.
Wenn Gottes Wort gefunden wird: Josias Bundesschritt
Der Beginn von 2. Könige 23 zeichnet ein starkes Bild: „Und man las vor ihren Ohren alle Worte aus dem Buch des Bundes“. Das ist bemerkenswert, weil Josias Reform nicht mit einer eigenen Vision startet, sondern mit dem Hören. Der Text stellt die Öffentlichkeit her: Älteste, Priester, Propheten und „alles Volk, klein und groß“ sind beteiligt. Damit wird Gottes Wort zur gemeinsamen Entscheidungsebene.
Auslegungsgemäß bedeutet das: Echte Umkehr beginnt dort, wo Gottes Wahrheit wieder als Autorität anerkannt wird. Josia tritt dabei selbst in Verantwortung. Er geht „hinauf ins Haus des HERRN“, und er stellt sich nicht nur als Initiator, sondern als Bittender/Verpflichteter hin: „Und der König trat an die Säule und machte einen Bund vor dem HERRN.“ Dieser Bund hat Zielrichtung: Sie sollen „wandeln dem HERRN nach“ und seine Gebote halten.
Wichtig ist die doppelte Formulierung „von ganzem Herzen und von ganzer Seele“. Der Text will nicht sagen, dass es keine Fehler gab oder dass der Gehorsam automatisch aus sich selbst heraus gelingt. Vielmehr wird die Qualität der Ausrichtung beschrieben: Es ist ein innerer Anspruch, der dann äußerlich sichtbar wird. Im Licht dieser Passage wird verständlich, warum „aufzurichten die Worte dieses Bundes“ erwähnt wird: Das Gesetz soll wieder gelten, nicht nur gelesen werden.
So wird das Kapitel zu einer Art geistlicher Dramaturgie: Erst Wort und Bund, dann Reinigung und Ordnung. Josias Reform folgt dieser Reihenfolge. Man kann das praktisch aufnehmen: Wenn Gottes Wort im Alltag nur selten gehört oder nur selektiv angewendet wird, bleiben Reformen schnell oberflächlich. Der Text ruft hingegen zu einem Lebensstil auf, der Gottes Gebote ernst nimmt.
Radikale Entfernung des Götzendienstes: Reinigung mit Folgen
Der folgende Teil ist in seiner Härte bewusst eindrücklich: Der König gebietet, aus dem Tempel Geräte zu entfernen, die dem Baal und der Aschera oder „allem Heer des Himmels“ gedient haben. Dinge werden nicht nur „umgestellt“, sondern verbrannt, der Staub wird getragen, Altäre werden abgebrochen, Standorte werden verunreinigt. Auch die religiöse Praxis auf Höhen wird betroffen: Josia verunreinigt Höhen, damit Priester dort nicht weiter auf dem Altar des HERRN in Jerusalem opfern – stattdessen essen sie „ungesäuertes Brot“ unter ihren Brüdern.
Auslegungshalb gilt: Der Text beschreibt nicht bloß eine Änderung der Liturgie, sondern eine Abkehr von falscher Anbetung. Götzendienst wird im Kapitel als reale Bedrohung für Gottes Beziehung zu seinem Volk verstanden. Deshalb richtet sich Josias Handeln auf sichtbare Symbole, Räume und Gewohnheiten.
Gleichzeitig fällt auf, wie stark der Text die Orte benennt: Tal Kidron, Bach Kidron, Topheth im Tal der Kinder Hinnom, Geba bis Beer-Seba, Beth-El, Samaria. Das zeigt: Josia nimmt nicht nur den „Haupttempel“, sondern das ganze religiöse Ökosystem in den Blick. Dort, wo Kult die Herzen bindet, soll er gelöst werden.
Der Abschnitt zu Josias Umgang mit dem „Mann Gottes“ und den Gräbern verdeutlicht zudem, dass Josia sich sogar an Wortprophetie orientiert: Er verunreinigt nach dem Wort des HERRN, das der Mann Gottes ausgerufen hat. Das ist entscheidend: Reform ist hier nicht willkürlich, sondern an Gottes Rede gebunden. Der Text entmutigt damit eine Denkweise, die nur „modisch“ oder „strategisch“ reformieren möchte.
So wird der Leser geführt: Wo Gott an die erste Stelle gehört, entstehen Konsequenzen – und zwar bis in das, was man gerne aus Gewohnheit „so lässt“.
Passah feiern und Wahrsagerei entfernen: Gesetz als praktische Anbetung
Nach der Reinigung folgt die Einordnung in die rechte Anbetung. Josia lässt Passah „halten… wie es geschrieben steht in diesem Buch des Bundes“. Der Text betont: Es gab kein Passah, „so gehalten“ wie dieses. Damit ist nicht gemeint, dass es vorher überhaupt kein Passah gegeben hätte, sondern dass Tiefe und Übereinstimmung mit dem Gesetz in Josias Zeit außergewöhnlich waren.
Auch hier zeigt der Kommentar zu 2 könige 23 seine Logik: Umkehr bedeutet nicht nur Weglassen von Bösem, sondern Hinwendung zum von Gott gegebenen Weg. Passah ist ein Kernereignis der Erlösungs-Erinnerung. Wenn es im Gesetz vorgesehen und in gelebtem Gehorsam gefeiert wird, wird Anbetung wieder zum Zentrum.
Zusätzlich werden „Wahrsager, Zeichendeuter, Bilder und Götzen und alle Greuel“ entfernt. Das ist bemerkenswert, weil es verschiedene Formen religiöser Manipulation betrifft: Menschen suchen dann „Zeichen“, statt Gott zu vertrauen. Die Entfernung solcher Praktiken wird in der Passage als Voraussetzung beschrieben, um „aufzurichten die Worte des Gesetzes“.
Auslegungsgemäß kann man darin ein geistliches Prinzip sehen: Je mehr Gottes Wort zurückgedrängt wird, desto mehr sucht das Herz nach Alternativen, die Kontrolle versprechen. Josia macht dem ein Ende, damit das Volk nicht mehr Zeichen deutet, um Sicherheit zu gewinnen, sondern Gott gehorcht.
Doch gerade an dieser Stelle entsteht eine Spannung, die im Rest des Kapitels beantwortet wird: Josias Eifer ist groß, aber das Gericht bleibt. „Doch kehrte sich der Herr nicht von dem Grimm seines Zorns…“ Der Text führt damit vor, dass Gottes Langmut, Bußruf und Gericht nicht beliebig gegeneinander austauschbar sind. Reform kann Schuld nicht „löschen“, wenn die Geschichte des Ungehorsams weiterwirkt und die Herzen nicht endgültig umkehren.
Das macht die Botschaft ernst und zugleich hoffnungsvoll: Gottes Maßstab bleibt, und echte Rückkehr zu ihm ist richtig – auch wenn die Folgen früherer Sünden zeitlich nicht sofort verschwinden.
Trotz Josias Reform: warum das Gericht dennoch kommt
Der Abschluss von 2. Könige 23 setzt einen schweren Kontrast. Auf Josias vorbildliche Schritte folgt die Nachricht von politischer Umwälzung: Pharao Necho zieht herauf, Josia zieht ihm entgegen und stirbt zu Megiddo. Sein Tod wird nicht heroisiert, sondern als Ereignis im Spannungsfeld der damaligen Großmächte dargestellt. Die Folgejahre führen zu weiterer Unsicherheit: Joahas wird von Pharao in Haft genommen, Jojakim wird eingesetzt, und es kommt zu hohen Abgaben.
Doch noch entscheidender ist der theologische Kernvers: Trotz Josias Frömmigkeit „kehrte sich der Herr nicht von dem Grimm seines Zorns“. Der Text erklärt es: Juda hatte den HERRN weiterhin mit „Reizungen“ durch Manasse gereizt. Gottes Gericht wird als Konsequenz einer langen Beziehungskrise verstanden, nicht als Laune.
Auslegung: Das Kapitel lehrt, dass Gottes Erbarmen nicht bedeutet, dass Folgen aus der Vergangenheit automatisch verschwinden. Wenn Sünde über Generationen Strukturen prägt, bleibt das Problem nicht dort „stehen“, sondern wirkt gesellschaftlich und geistlich weiter. Josias Reform zeigt, dass Umkehr möglich ist und Gott ehrt – aber sie ist kein Garant dafür, dass keine Konsequenzen eintreten.
Wichtig ist zugleich, Josia nicht zu entwerten. Der Text nennt klar: „Seinesgleichen war vor ihm kein König gewesen, der so von ganzem Herzen… sich zum HERRN bekehrte.“ Gottes Maßstab anerkennt echte Buße. Dennoch bleibt das Urteil über Jerusalem, das Gott erwählt hatte. Das ist eine ernsthafte Warnung: Gottes Nähe macht Schuld nicht leichter, sondern schwerer.
So entsteht ein ausgewogener Fokus: Reform ist notwendig und lobenswert, doch die Frage lautet immer zuerst nach dem Herzen und nach fortgesetzter Treue. Die nächsten Könige zeigen, wie schnell ein Volk wieder abdriften kann. Der Leser wird dadurch motiviert, Umkehr nicht nur als einmaliges Ereignis zu begreifen, sondern als dauerhafte Lebensausrichtung.
So wendest du das heute an: Wort hören, Grenzen setzen, Hoffnung festhalten
1) Lass Gottes Wort wieder „vor deinen Ohren“ laut werden. Josias Reform beginnt mit dem Lesen des Bundesbuches. Praktisch heißt das: Plane feste Zeiten für das Bibellesen, aber auch für das konkrete Fragen: Was verlangt Gottes Wort heute von mir? Wo widerspricht meine Gewohnheit Gottes Gebot?
2) Entferne bewusst, was Götzen schafft – nicht nur äußerlich, sondern innerlich. In Josias Tagen waren es Altäre, Rauchwerk und kultische Räume. Heute können „Götzen“ Besitzdenken, Selbstschutz, Statuskult oder jede Form von Lebenssteuerung durch Angst statt durch Vertrauen auf Gott sein. Stelle dir konkret die Frage: Was in meinem Alltag ersetzt Gottes Autorität?
3) Verbinde Reinigung mit rechter Anbetung. Der Text zeigt, dass Josia nicht nur säubert, sondern Passah gemäß dem Gesetz feiert. Das bedeutet: Umkehr endet nicht beim Weglassen. Sie führt zu Lobpreis, Gottesdienst, Gemeinschaft und Gehorsam.
4) Rechne mit Zeit und Konsequenzen. Josias Eifer konnte nicht sofort das Gericht verhindern. Übertragen heißt das: Manchmal dauert Heilung und Wiederherstellung länger als wir möchten. Bleibe dennoch treu: Das Ziel ist nicht Resignation, sondern fortgesetzte Nachfolge – auch wenn sichtbare Ergebnisse nicht sofort kommen.
So wird das Kapitel zu einem Fahrplan für gelebten Glauben: Wort, Umkehr, Anbetung und Ausdauer.
Verwandte Bibelstellen
5. Mose 4,29-30
Gottes Aufforderung, ihn zu suchen, trifft Josias Handeln: Umkehr beginnt mit dem Finden und Ernstnehmen des Gesetzes.
2. Chronik 34,14-33
Diese Parallele berichtet die gleiche Reformzeit und hilft, Josias Vorgehen im größeren Zusammenhang zu sehen.
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Das Vorlesen von Gottes Wort zeigt, wie Schrift zu einer Entscheidungssache im Volk wird.
Hebräer 12,11
Wie Reinigung Schmerz einschließt, erinnert daran, dass Gottes Zucht auf Heilung und Gerechtigkeit zielt.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet die Bundesschließung in 2. Könige 23?
Die Bundesschließung meint eine verbindliche Ausrichtung: Das Volk (und auch der König) verpflichtet sich, dem HERRN zu wandeln und seine Gebote zu halten. Im Text geschieht das nach dem Vorlesen des „Buches des Bundes“, sodass Gottes Wort zur Grundlage der Entscheidung wird.
Warum ist Josias Reform trotzdem nicht die komplette Lösung?
Der Text erklärt, dass der HERR Juda wegen früherer Reizungen (u.a. durch Manasse) nicht vollständig vom Gericht abwendet. Reform ist echt und lobenswert, hebt aber die Folgen einer langen Schuldgeschichte nicht automatisch auf.
Welche Rolle spielt das Passah in der Auslegung zu 2. Könige 23?
Passah steht als Zeichen rechter Anbetung. Josia feiert es „wie es geschrieben steht“ und betont damit Übereinstimmung mit dem Gesetz. Reinigung ohne Hinwendung hätte keinen ganzen Charakter; deshalb folgt nach der Säuberung die geordnete Gottesverehrung.
Wie finde ich in diesem kommentar zu 2 könige 23 konkrete Schritte für meinen Glauben?
Der Text zeigt eine Reihenfolge: Wort hören, Bund leben, Götzendienst konsequent beenden, dann rechte Anbetung. Übertrage das auf deinen Alltag, indem du Gottes Wort regelmäßig in den Mittelpunkt stellst, „Ersatzgötter“ identifizierst und dein Glaubensleben aktiv nach Gottes Geboten ausrichtest.
Ein kurzes Gebet
HERR, du hast zu uns gesprochen und gibst uns Maßstab in deinem Wort. Öffne unsere Ohren wie bei Josia: Lass uns hören, was du sagst, und lass uns mit ganzem Herzen antworten. Nimm von uns alles, was dich ersetzt, und führe uns zu wahrer Anbetung nach deinem Willen. Stärke uns, auch wenn Folgen vergangener Schuld Zeit brauchen, und gib uns Ausdauer in der Nachfolge. Amen.








