Predigt: „Lasset die Kinder zu mir kommen“ – Gottes Einladung an uns alle

Bibelkommentar
Predigt: „Lasset die Kinder zu mir kommen“ – Gottes Einladung an uns alle
Historischer Hintergrund: Kinder im damaligen Denken und Jesu Haltung
In der Zeit Jesu waren Kinder im gesellschaftlichen Alltag oft nicht im Zentrum öffentlicher Aufmerksamkeit. Viele galten als „noch unvollständig“ und ihr Wert wurde stärker nach Nutzen und Rang beurteilt als nach persönlicher Würde. Religiös war der Zugang zu Gottes Ordnung jedoch klar geregelt: Man erwartete Ernst, Bildung und die Fähigkeit, Gebote und Lehren zu verstehen. Gerade deshalb konnten erwachsene Jünger denken, Kinder seien „noch nicht soweit“.
Doch Jesus zeigt eine andere Logik. In seinem Handeln wird deutlich, dass das Reich Gottes nicht nach Status vermessen wird. Wenn Menschen Kinder zu Jesus bringen, ist das kein Störfaktor, sondern ein Zeichen für echten Glauben: Man vertraut darauf, dass Jesus auch das Unscheinbare annimmt. Das bedeutet nicht, dass Erziehungs- oder Reifeprozesse unwichtig wären; aber es macht sichtbar, dass Gottes Nähe zuerst Geschenk ist.
Die Einladung, die wir mit dem Gedanken „predigt lasset die kinder zu mir kommen“ verbinden, stellt die Prioritäten des Herzens auf den Kopf: Nicht der Lärm der Erwachsenen bestimmt die Tür zum Heil, sondern die Bereitschaft, Christus kommen zu lassen—auch für die Kleinen und Schwachen. So wird der Zugang zu Jesus zum Maßstab für unsere Gottesbeziehung: Werden wir wie ein Kind, oder machen wir andere kleiner, damit wir selbst größer wirken?
Hinweis zu den biblischen Begriffen: Vertrauen und Hinzutreten
Die Szene, in der Jesus Kinder zu sich ruft, wird in den Evangelien über ähnliche Kernideen beschrieben. Im Griechischen steht der Gedanke des „Hinzutretens/Zu-jemand-Hinbringens“ im Vordergrund: Kinder werden nicht als unpassend beiseitegeschoben, sondern zu Jesus gebracht. Außerdem ist der zentrale Ton „Annehmen“ und „Zuwenden“: Jesus betrachtet Kinder nicht als Hindernis, sondern als empfangende Personen.
Ein weiteres wichtiges Motiv findet sich im Zusammenhang mit dem Glauben: Wo Jesus vom Reich Gottes spricht, betont er Haltung mehr als Leistung. Das entspricht dem neutestamentlichen Verständnis von Glauben als Vertrauen, das Gott empfängt, statt sich selbst zu bewerten.
Da der genaue Wortlaut je nach Evangelium leicht variiert, ist es am sichersten: Das zugrundeliegende Sprachbild zeigt Gottes Nähe als Einladung—und den Glauben als kindliches Vertrauen.
1) Jesus stoppt das „Nein“ der Erwachsenen: Kinder gehören an die Herzkante des Evangeliums
In vielen Alltagssituationen merken wir: Erwachsene schützen manchmal nicht, sondern begrenzen. Man will „Störungen“ vermeiden oder glaubt, man müsse zuerst „Erwachseneigenschaften“ schaffen, bevor man geistlich etwas wagen darf. Genau an dieser Stelle spricht Jesus anders. Die Szene wirkt wie eine Korrektur: Menschen bringen Kinder zu ihm, und doch versuchen andere, sie abzuhalten. Jesu Antwort macht klar, dass Gottes Reich nicht als exklusive Abteilung funktioniert.
Was bedeutet das für unsere Gemeinden? Wenn wir über Gottes Einladung nachdenken, dürfen wir uns fragen, wessen Platz wir schützen—den Platz Jesu oder den Komfort unserer Vorstellungen. „Kinder sollen zu Christus kommen“ ist nicht nur eine Sonntagsformel, sondern ein praktischer Maßstab: Sind unsere Gottesdienste, Jugendstunden und Familienangebote so gestaltet, dass Kinder wirklich Zugang haben? Wird ihr Dasein als Teil des Leibes Christi verstanden oder als Nebensache behandelt?
Außerdem entlarvt Jesu Haltung einen geistlichen Irrtum: Man kann sich religiös geben und dennoch das Herz des Evangeliums verfehlen. Wer Kinder abwehrt, weil sie „zu jung“ sind, entscheidet stillschweigend nach Kriterien, die Jesus selbst relativiert. Das Evangelium stellt Würde nicht in Frage, sondern bestätigt sie: Ein Kind ist nicht erst dann wertvoll, wenn es „mitreden“ kann. Seine Gegenwart ist bereits Einladung—für Eltern, Gemeinde und die, die Verantwortung tragen.
Darin liegt Trost für Familien, die sich ungenügend fühlen. Christus findet in menschlicher Schwachheit einen Ort. Darum ist die Aussage „predigt lasset die kinder zu mir kommen“ vor allem eine Einladung: Komm so, wie du bist—und bring andere so, wie sie sind—zu Jesus.
2) „Zutrauen“ statt „Verdienen“: Wie kindliches Vertrauen den Glauben erklärt
Jesus stellt nicht zuerst eine Frage nach Fähigkeiten, sondern nach dem Herzen. Der Gedanke, dass „Kinder zu mir kommen“ sollen, dient als Bild für den Glauben: Kinder vertrauen einem Gesicht, einer Stimme, einer Hand, die sie nicht im Stich lässt. Sie brauchen keine perfekten Argumente, um Sicherheit zu suchen. Das ist keine romantische Verklärung von Naivität, sondern eine geistliche Wahrheit: Gott wird nicht mit Leistung erreicht, sondern mit Vertrauen empfangen.
Wenn wir erwachsen sind, neigen wir dazu, Glauben zu „optimieren“: Wir sammeln Beweise, planen Glaubensschritte, messen Erfolge. Das kann hilfreich sein—aber es darf nie an die Stelle des Vertrauens treten. In Jesu Einladung liegt ein heiliger Bruch: Das Reich Gottes ist nicht primär ein Projekt, sondern eine Begegnung.
Darum ist diese Predigt-Orientierung auch eine Erziehung für unsere Seelsorge. Viele Erwachsene tragen Schuldgefühle: „Ich bin zu unrein, zu verkehrt, zu spät.“ Kinder haben diese Last oft nicht in gleicher Weise. Wenn Jesus Kinder anzieht, sagt er indirekt: Nicht die Schwere der eigenen Vergangenheit bestimmt die Tür zu ihm, sondern seine Barmherzigkeit. Er nimmt an, bevor wir alles sortieren können.
Praktisch bedeutet das: Eltern dürfen Kinder zu Jesus bringen—mit Gebeten, Segenswünschen, dem gemeinsamen Hören auf Gottes Wort. Gemeinde darf Kinder nicht nur „aushalten“, sondern aktiv einladen: Gebet für die Jüngsten, geistliche Begleitung, kindgerechte Verkündigung, offene Räume. So wächst nicht nur Wissen, sondern Vertrauen.
Und wer selbst gerade glaubt, muss es nicht zuerst „richtig“ machen. „predigt lasset die kinder zu mir kommen“ ruft dazu, Christus als Zuflucht zu betrachten. Das ist die eigentliche Einladung: Du darfst kommen, und du darfst andere kommen lassen.
3 praktische Schritte für diese Woche: Raum schaffen, mitbringen, Vertrauen lernen
1) Raum schaffen: Schau, wo in deiner Gemeinde oder Familie Kinder gedanklich „ausgesprochen werden“—oder wirklich willkommen sind. Das kann ganz konkret sein: Begrüßung am Eingang, Gebetszeiten, die auch Kleinen Platz geben, oder ein freundlicher Umgang mit Fragen und Geräuschen. Gottes Reich ist nicht leise durch Kontrollwünsche, sondern hörbar durch Liebe.
2) Aktiv bringen: Nimm dir vor, Kinder bewusst zu Christus zu führen. Das beginnt nicht nur mit dem Gottesdienst. Ein kurzes Gebet am Abend, ein Segenswort beim Einschlafen, ein Bibelvers für Kinder im Alltag—das schafft eine geistliche Spur. Wenn du Kinder begleitest, bringe sie nicht nur zu „Programm“, sondern zu einer Person: Jesus.
3) Vertrauen einüben: Frage dich selbst: Vertraue ich Gott wie ein Kind—oder versuche ich, durch Leistung „sicherer“ zu werden? Übe jeden Tag einen kleinen Schritt des Glaubens: ein ehrliches Gebet, eine Entscheidung im Gehorsam, das Loslassen einer Sorge. So wird die Einladung nicht nur ein Satz, sondern eine gelebte Haltung.
Wenn wir das tun, wird „die Einladung an Kinder“ zu einer Einladung an die ganze Gemeinde. Denn Gottes Liebe macht vor niemandes Alter Halt.
Verwandte Bibelstellen
Matthäus 19,14
Jesus sagt: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht, denn ihnen gehört das Reich Gottes.
Markus 10,14
Jesus wird unwillig darüber, dass man die Kleinen hindert, und lehrt, dass das Reich Gottes ihnen gehört.
Lukas 18,16-17
Jesus ruft Kinder herbei und fordert Nachfolge in der Haltung eines Kindes: vertrauen statt selbst erhöhen.
1. Korinther 14,20
Paulus ermahnt zu Reife im Denken, ohne die Offenheit des Herzens zu verlieren.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet „predigt lasset die kinder zu mir kommen“ praktisch?
Praktisch bedeutet es, Kinder nicht auszuschließen, sondern bewusst zu Jesus zu bringen—durch Gebet, Segnen, kindgerechte Verkündigung und einen würdevollen Umgang in der Gemeinde. Es erinnert auch Erwachsene daran, mit kindlichem Vertrauen zu Gott zu kommen statt mit Leistung oder Selbstrechtfertigung.
Gilt das nur für Kinder oder auch für Erwachsene?
Beides. Die Einladung richtet sich zwar zuerst an Kinder, aber Jesus erklärt zugleich die geistliche Haltung dahinter: Vertrauen, Demut und Empfangsbereitschaft. Erwachsene sollen so glauben wie Kinder—und auch anderen (auch „unbequemen“ Menschen) den Zugang zu Christus ermöglichen.
Wie können Eltern Jesus im Alltag „zu den Kindern“ bringen?
Durch kleine, regelmäßige Rituale: kurzes Gebet am Morgen oder Abend, das Vorlesen und Wiederholen von Bibelworten, ein Segensspruch vor dem Schlafengehen und ehrliche Gespräche über Angst, Schuld und Hoffnung. Wichtig ist weniger Perfektion als beständige Zuwendung.
Was, wenn Kinder im Gottesdienst stören?
Störung zeigt oft Lebendigkeit und Bedürfnis. Die Frage ist, wie wir reagieren: mit Geduld, Hilfe für Eltern und einer Gemeinde-Kultur, die Kinder willkommen heißt. Jesus wehrt nicht das Lebenszeugnis ab, sondern das Abhalten. So wird der Gottesdienst zum Lernort für Liebe.
Ein kurzes Gebet
Herr Jesus, danke, dass du Kinder zu dir kommen lässt und niemanden abweist, der in echter Bedürftigkeit zu dir kommt. Schenke uns Glauben wie bei kleinen Kindern: Vertrauen, Demut und die Bereitschaft, empfangen zu können. Lehre unsere Gemeinde, Räume der Liebe zu schaffen, in denen Kinder und Erwachsene dich kennenlernen. Segne unsere Familien und mache unser Herz offen für deine Einladung. Amen.










