Lasst die Kinder zu mir kommen predigt: Jesus lädt alle ein

Bibelkommentar
Lasst die Kinder zu mir kommen predigt: Jesus lädt alle ein
Matthäus 19,14 · Lutherbibel 1912
Matthäus 19,14 (Lutherbibel 1912)
“Aber Jesus sprach: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen ist das Himmelreich.”
Jesus und die Kinder: Begegnung mit Glaubenshindernissen
Im Umfeld Jesu gab es religiöse Erwartungen, die das Erreichen „richtiger“ Frömmigkeit stark an Reife, Verhalten und formaler Zugehörigkeit knüpften. Kinder galten gesellschaftlich oft als abhängig, weniger hörenswert und weniger bedeutend. Umso auffälliger ist, dass Jesus anders handelt: Während Erwachsene versuchen, Zugänge zu kontrollieren und vermeintliche „Grenzen“ zu schützen, stellt Jesus den Wert der Kleinen klar heraus.
Matthäus 19,13 berichtet, dass Menschen Kinder zu Jesus brachten, damit er für sie bete. Doch Jünger reagieren zunächst abwehrend. Jesus unterbricht diese Haltung nicht mit Diskussion, sondern mit einem direkten Befehl: „Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht.“ Damit macht er deutlich, dass Gottes Nähe nicht an menschliche Bedeutung geknüpft ist.
Die Aussage „denn solchen ist das Himmelreich“ bedeutet nicht, dass Kinder „ohne Glauben“ automatisch selig wären. Vielmehr beschreibt Jesus den passenden Herz-Zustand: offen, empfangend, vertrauend und bereit, sich von Gott beschenken zu lassen. In dieser Szene zeigt sich, wie Jesus die Maßstäbe des Reiches Gottes verschiebt—weg von Leistung und Ansehen, hin zu Demut und Vertrauen. Genau darin liegt die bleibende Botschaft: Wer zu Jesus kommt, soll nicht erst größer werden, sondern lernen, wie ein Kind zu glauben.
Biblische Begriffe: „Kinder“ und „wehret ihnen nicht“
Das in Matthäus 19 verwendete Wort für „Kinder“ bezeichnet im Griechischen Kinder im weiteren Sinn (nicht nur Säuglinge), also Menschen, die noch in Abhängigkeit und Vertrauen leben. Jesus stellt sie mitten in die geistliche Wirklichkeit des Reiches Gottes.
Der Ausdruck „wehret ihnen nicht“ trägt den Gedanken von „hindern“, „zurückhalten“, „sich entgegenstellen“. Die Aufforderung ist nicht vorsichtig oder optional, sondern klar: Jesus will, dass Menschen nicht blockiert werden, wenn sie in seiner Nähe empfangen möchten.
Besonders wichtig ist auch der Ton von „zu mir kommen“. Das zugrundeliegende Bild macht Jesus nicht als fernen Richter, sondern als Gegenwart: Nähe wird gewährt, nicht verdient. In der Summe betont die Sprache sowohl Zugänglichkeit als auch die Notwendigkeit, das Herz nicht durch Stolz, Kontrolle oder falsche Maßstäbe abzuschließen.
1) Wenn Glaubenshürden wachsen: Warum Jesus die Jünger korrigiert
In Matthäus 19,13-14 wirkt es so, als hätten die Jünger „gute Gründe“: Vielleicht dachten sie, es sei zu spät, zu beschäftigt oder die Szene sei für „wichtige“ Gespräche reserviert. Doch Jesus nimmt diese Begründungen nicht an. Er sieht mehr als organisatorische Fragen: Er sieht Menschen, Herzen, und eine geistliche Gefahr.
Warum ist das so relevant? Weil es bis heute Hindernisse gibt, die wir im Namen des Glaubens errichten. Manchmal hindern wir Menschen indirekt—durch unfreundliche Worte, durch Überheblichkeit, durch die Erwartung, „erst musst du reif sein“. Manchmal hindern wir besonders die, die „klein“ sind: Kinder, Anfänger, Menschen mit wenig Sprache, wenig Wissen oder wenig Selbstbewusstsein.
Jesus stellt dagegen: „Lasst die Kinder zu mir kommen.“ Er macht deutlich, dass Gottes Reich nicht an Zutrittsbedingungen menschlicher Art hängt. Die Jünger mussten lernen, dass die Nähe zu Christus kein Belohnungsprogramm ist.
Außerdem korrigiert Jesus damit eine Geisteshaltung: „Wehret ihnen nicht“ ist mehr als ein Satz über Kinder. Es ist eine Stimme gegen jede Art von Ausgrenzung. Wer glaubt, er müsse andere aufhalten, weil sie „nicht passen“, widerspricht dem Charakter Jesu.
Das bedeutet nicht, dass wir Regeln oder Weisheit vernachlässigen sollen. Aber die Liebe Jesu darf nicht durch unsere Kontrolle ersetzt werden. Wo Christus ruft, darf niemand „Nein“ sagen, nur weil der Mensch klein ist oder weil es „ungewöhnlich“ wirkt.
2) „Denn solchen ist das Himmelreich“: Wie Kinder glauben und was Erwachsene daraus lernen
Jesus verbindet den Zugang zu ihm mit einer Deutung: „Denn solchen ist das Himmelreich.“ Die Aussage ist mitten im Geschehen eindeutig. Kinder sind nicht nur Objekt von Fürsorge, sondern Bild für den Glaubensweg.
Was macht den kindlichen Glauben aus? Häufig erkennt man: Kinder empfangen. Sie sind nicht zuerst damit beschäftigt, ihren Wert zu beweisen. Sie vertrauen, dass eine Beziehung trägt. Sie zweifeln nicht ständig, ob sie würdig genug sind, um beachtet zu werden.
Übertragen auf Erwachsene heißt das: Wer zum Himmelreich unterwegs ist, muss lernen, sich fallen zu lassen. Nicht als emotionale Schwärmerei, sondern als geistliche Haltung. Der Mensch soll nicht erst versuchen, sich durch Stärke oder Leistung „zu rechtfertigen“, sondern sich an Christus wenden.
Hier entsteht eine praktische Frage: Bin ich bereit, mir von Jesus sagen zu lassen, wie man glaubt? Oder halte ich am eigenen Maß fest—an dem, was ich „erst leisten muss“, an der Angst, „nicht richtig“ zu sein, oder an der Tendenz, mich selbst zu erhöhen?
Das Himmelreich ist dort, wo Gottes Gnade willkommen ist. Darum passt Jesu Wort in Matthäus 19 auch zu seiner späteren Lehre im gleichen Abschnitt über Demut. Der Herr lädt nicht zur Geringschätzung der Reife ein, sondern zur richtigen Ausrichtung des Herzens.
Wenn wir Kindern dienen, dienen wir nicht nur der Zukunft, sondern bringen ihnen eine Gegenwart: Jesus selbst ist nahe. Und wenn wir selbst wie Kinder glauben, wird unser Herz heil: von Stolz, von Angst und von der ständigen Suche nach Beweis. Dann gilt die Einladung erneut—heute, nicht nur damals.
3) Heute konkret leben: Kinder schützen, Erwachsene öffnen, und Jesus Raum geben
Diese Predigt Jesu lässt sich nicht nur „bewundern“, sondern muss umgesetzt werden. Drei Schritte helfen dabei.
Erstens: Kinder wirklich willkommen heißen. Das kann ganz praktisch beginnen: in der Gemeinde, in der Familie, im Alltag. Schaffe Orte, an denen Kinder nicht als Störung erscheinen. Sprich freundlich mit ihnen, segne sie, bete für sie—und behandle ihre Fragen ernst.
Zweitens: Erwachsene prüfen, ob sie aus Gewohnheit blockieren. Manchmal bremsen wir Menschen mit Formulierungen wie „so wie du bist geht das nicht“ oder mit der stillen Botschaft: „Erst wenn du lange genug dabei bist.“ Jesus sagt: wehret ihnen nicht. Das gilt für alle, die neu beginnen oder leise glauben.
Drittens: Selbst wieder „kindlich“ glauben lernen. Das bedeutet: weniger Rechtfertigungsdruck, mehr Vertrauen. Bitte Gott um ein Herz, das seine Einladung annehmen kann. Praktiziere das im Gebet: „Herr Jesus, ich komme zu dir. Lehre mich empfangen.“
So entsteht ein geistlicher Raum, in dem das Evangelium konkret wird: Menschen erleben Christus als nahe, nicht als ferne Forderung. Und genau dort wirkt das Himmelreich—still, aber verwandelt.
Verwandte Bibelstellen
Markus 10,14
Jesus greift erneut ein: „Lasst die Kinder zu mir kommen“ und begründet es mit der Annahme der Kleinen.
Lukas 18,16
Jesus erklärt: Wer das Reich Gottes empfängt wie ein Kind, der wird hineinkommen.
Matthäus 18,3
Jesus lehrt, dass man sich demütigen und „wie die Kinder“ werden muss, um ins Himmelreich zu gelangen.
1. Johannes 4,19
Liebe Gottes trägt: Wenn wir lieben, weil Gott zuerst geliebt hat, wächst Vertrauen statt Leistungsdruck.
Sprüche 3,5-6
Das Vertrauen „von ganzem Herzen“ passt zum kindlichen Glaubensmuster, das Jesus hervorhebt.
Häufig gestellte Fragen
Gilt das Wort „Lasst die Kinder zu mir kommen“ nur für Kinder oder auch für Erwachsene?
Der unmittelbare Fokus liegt auf Kindern, aber die geistliche Bedeutung weitet sich auf alle aus: Jesus beschreibt einen passenden Glaubenszustand. Wer zum Himmelreich gehört, kommt empfangend zu Christus. Erwachsene werden darum eingeladen, demütig wie Kinder zu vertrauen und sich nicht durch Stolz oder Angst blockieren zu lassen.
Warum haben die Jünger die Menschen damals abgehalten?
Die Bibel nennt keinen konkreten Grund. Wahrscheinlich war es ein Mix aus Zeitdruck, falscher Priorität oder einer Vorstellung, bestimmte Personen „dürften“ nicht stören. Jesus zeigt: Zugänglichkeit zu ihm ist nicht nach menschlichen Maßstäben zu verwalten. Entscheidend ist, dass Menschen zu Christus kommen.
Wie kann ich in der Gemeinde Kinder wirklich willkommen heißen?
Achte auf Ton, Ablauf und Haltung. Kinder sollten nicht beschämt werden, wenn sie Fragen stellen oder sich bewegen. Plane verständliche Angebote, sorge für Betreuung und bete regelmäßig für sie. Wichtig ist auch, Eltern ermutigend zu begleiten, ohne sie zu verurteilen, wenn Kinder „unruhig“ sind.
Was bedeutet „denn solchen ist das Himmelreich“ praktisch?
Es bedeutet: Das Himmelreich gehört denen, die sich wie Kinder Gott öffnen—vertrauend, empfangend, ohne sich selbst wichtig machen zu müssen. Praktisch heißt das: zu Jesus kommen, seine Gnade annehmen, und dem inneren Druck „ich muss genug sein“ widerstehen.
Ein kurzes Gebet
Herr Jesus Christus, wir danken dir, dass du die Kleinen zu dir kommen lässt und niemanden abweist. Schaffe in uns Demut und Glauben wie bei Kindern: ein Herz, das empfängt, vertraut und nicht ständig beweisen muss. Lass uns in unserer Familie und Gemeinde Räume schaffen, in denen Kinder und Anfänger sich willkommen wissen. Zieh uns selbst näher zu dir und schenke uns durch deine Gnade das Himmelreich. Amen.










