Predigt zu Matthäus 13,24-305 (13,24-16): Unkraut, Senfkorn und Sauerteig

Predigt zu Matthäus 13,24-305 (13,24-16): Unkraut, Senfkorn und Sauerteig

Bibelkommentar

Predigt zu Matthäus 13,24-305 (13,24-16): Unkraut, Senfkorn und Sauerteig

Matthäus 13,24-305 · Lutherbibel 1912

Kurz gesagt: In Matthäus 13 zeigt Jesus, wie das Himmelreich wächst, obwohl es auch Widerstand gibt: Unkraut und Weizen wachsen zunächst zusammen, bis Gott die Trennung bei der Ernte vornimmt. Gleichzeitig wirken das Senfkorn und der Sauerteig klein und verborgen, aber mit großer Kraft. So rät Jesus zur Geduld, zum Vertrauen in Gottes Führung und zur Unterscheidung im Glauben.

Matthäus 13,24-305 (Lutherbibel 1912)

“Er legte ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. Da aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon. Da nun das Kraut wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. Da traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut? Er sprach zu ihnen: Das hat der Feind getan. Da sagten die Knechte: Willst du das wir hingehen und es ausjäten? Er sprach: Nein! auf daß ihr nicht zugleich den Weizen mit ausraufet, so ihr das Unkraut ausjätet. Lasset beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um der Ernte Zeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuvor das Unkraut und bindet es in Bündlein, daß man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheuer. Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Himmelreich ist gleich einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und säte es auf seinen Acker; welches ist das kleinste unter allem Samen; wenn er erwächst, so ist es das größte unter dem Kohl und wird ein Baum, daß die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen unter seinen Zweigen. Ein anderes Gleichnis redete er zu ihnen: Das Himmelreich ist gleich einem Sauerteig, den ein Weib nahm und unter drei Scheffel Mehl vermengte, bis es ganz durchsäuert ward. Solches alles redete Jesus durch Gleichnisse zu dem Volk, und ohne Gleichnis redete er nicht zu ihnen, auf das erfüllet würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: Ich will meinen Mund auftun in Gleichnissen und will aussprechen die Heimlichkeiten von Anfang der Welt. Da ließ Jesus das Volk von sich und kam heim. Und seine Jünger traten zu ihm und sprachen: Deute uns das Geheimnis vom Unkraut auf dem Acker. Er antwortete und sprach zu ihnen: Des Menschen Sohn ist's, der da Guten Samen sät. Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reiches. Das Unkraut sind die Kinder der Bosheit. Der Feind, der sie sät, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel. Gleichwie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird's auch am Ende dieser Welt gehen: des Menschen Sohn wird seine Engel senden; und sie werden sammeln aus seinem Reich alle Ärgernisse und die da unrecht tun, und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird sein Heulen und Zähneklappen. Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich. Wer Ohren hat zu hören, der höre! Abermals ist gleich das Himmelreich einem verborgenem Schatz im Acker, welchen ein Mensch fand und verbarg ihn und ging hin vor Freuden über denselben und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker. Abermals ist gleich das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte. Und da er eine köstliche Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie. Abermals ist gleich das Himmelreich einem Netze, das ins Meer geworfen ist, womit man allerlei Gattung fängt. Wenn es aber voll ist, so ziehen sie es heraus an das Ufer, sitzen und lesen die guten in ein Gefäß zusammen; aber die faulen werfen sie weg. Also wird es auch am Ende der Welt gehen: die Engel werden ausgehen und die Bösen von den Gerechten scheiden und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappen sein. Und Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr das alles verstanden? Sie sprachen: Ja, HERR. Da sprach er: Darum ein jeglicher Schriftgelehrter, zum Himmelreich gelehrt, ist gleich einem Hausvater, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorträgt. Und es begab sich, da Jesus diese Gleichnisse vollendet hatte, ging er von dannen und kam in seine Vaterstadt und lehrte sie in ihrer Schule, also auch, daß sie sich entsetzten und sprachen: Woher kommt diesem solche Weisheit und Taten? Ist er nicht eines Zimmermann's Sohn? Heißt nicht seine Mutter Maria? und seine Brüder Jakob und Joses und Simon und Judas? Und seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns? Woher kommt ihm denn das alles? Und sie ärgerten sich an ihm. Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet gilt nirgend weniger denn in seinem Vaterland und in seinem Hause. Und er tat daselbst nicht viel Zeichen um ihres Unglaubens willen.”

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Zwischen der Ernte und dem Alltag: Acker, Saat und Geduld

Die Rede Jesu in Matthäus 13 steht im Rahmen der Verkündigung an die Menschenmenge, während die Jünger im Besonderen nach dem Sinn fragen. Die Bildwelt ist stark landwirtschaftlich geprägt: Ein Acker wurde bestellt, Saat wurde sorgfältig ausgebracht, und Ernte war der Zeitraum, in dem sich zeigte, was wirklich hervorgekommen war. In dieser Lebensnähe wirkt das Gleichnis vom Unkraut besonders eindrücklich: „Gutes Korn“ und „Unkraut“ können zunächst zugleich sichtbar werden, aber das Ausjäten mitten im Wachstum birgt die Gefahr, die eigentliche Saat zu beschädigen. Deshalb entscheidet der Hausvater gegen voreilige Eingriffe.

Zugleich spiegelt die Stelle die Erfahrung einer Gemeinde, die im Verlauf ihrer Geschichte beides kennt: äußere Feindschaft und inneres Wachstum. Das Himmelreich ist nicht nur ein religiöses Konzept, sondern Gottes Herrschaft, die sich in der Welt ausbreitet. Dass Jesus mehrere Gleichnisse nacheinander erzählt (Unkraut, Senfkorn, Sauerteig), deutet darauf hin, dass das Reich Gottes verschiedene Facetten hat: Wachstum in Unsichtbarkeit, Kraft in Kleinem und zugleich die geduldige Hand Gottes, die am Ende gerecht trennt.

Die Jünger erhalten dabei Deutung statt Spekulation: Jesus macht aus Bildern eine geistliche Lehrstunde, die bis zur „Ernte“ am Ende der Welt reicht. Diese eschatologische Perspektive beruhigt die Gemeinde: Gott sieht, richtet und vollendet.

Subir